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Category (Europa)

MADEIRA – ein grünes Juwel im Atlantischen Ozean

Madeira ist die vulkanische Hauptinsel des Archipels Madeira mit den weiteren Inseln Porto Santo, Selvagens und Desertas. Es ist eine autonome Region, die zu Portugal gehört und rund 750 km vor der Nordwestküste Afrikas liegt. Madeira heißt auf portugisisch Holz. Fast 1900 m über Meeresspiegel und bis zu 4000 m unter dem Meeresspiegel. Mit einer Gesamtfläche von 741 km², ca. 57 km Länge, ca. 22 km Breite und derzeit ca. 300.000 Einwohnern. Die an der Südküste gelegene Stadt Funchal mit seiner schönen Altstadt ist Hauptstadt dieser Inselgruppe.

Durch das subtropische Klima herrschen das ganze Jahr über milde Temperaturen zwischen 15 und 25 C° und frühlingshaftes Wetter. Das Klima wirkt sich auch positiv auf die Pflanzenwelt aus. Mehrmals im Jahr ernten können wegen der konstanten Wassertemperatur des Golfstromes und des schwarzen Lavagesteins, das die Sonnenwärme speichert. Überall an der Küste grünt und blüht es das ganze Jahr hindurch. Einzigartig ist der urwäldliche, moosüberwachsene Lorbeerwald Laurisilva, der rund 20 Prozent der Insel bedeckt und von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Besonders beliebt sind Wanderungen entlang der “Levadas”. Diese künstlichen Wasserläufe (insgesamt ca. 2100 km lang ohne Pumpen mit Gefällen) wurden schon ab dem 15. Jahrhundert angelegt, um trockene Anbaugebiete im Süden der Insel zu bewässern. Diese uralten Wege erschließen Madeiras reizvollste Regionen mit tiefen Schluchten, Wasserfällen und duftenden Eukalyptuswäldern. Die kraftvollen Wellen und starken Meeresströmungen sorgen dafür, dass sich an der Küste keine wirklichen Sandstrände halten können. Dies ist sicherlich ein Segen für die Insel, da die fehlenden Sandstrände Madeira davor bewahren, von Touristen überrannt zu werden.

Von ihren Wurzeln her sind die Madeirenser Bauern und ein Großteil der Landbevölkerung ausserhalb Funchals ist in der Landwirtschaft und im Weinanbau beschäftigt. In Funchal und der näheren Umgebung ist es der Tourismus. Das Band, das die einzelnen Gemeinden der Insel am stärksten miteinander verbindet, ist wohl die katholische Kirche. Überall findet man schöne weissgetünchte Kirchen im typischen portugiesischen Stil erbaut. In den letzten Jahren ist die madeirensische Bevölkerung der weit auseinanderliegenden Gemeinden bedingt durch die Landschaftsstruktur mit den neuen Infrastrukturmassnahmen der Politik mehr zusammengewachsen, so dass die größten Unterschiede heute hauptsächlich nur noch zwischen Funchal und dem Umland bestehen. In den Kochtöpfen der Einheimischen dominiert nach wie vor Bodenständiges. Hier ein paar Spezialitäten der Insel. Açorda – deftige, klare Brotsuppe mit Knoblauch und Ei. Atum – Thunfisch in einer kräftigen Zwiebeltunke. Bacalhau – Stockfisch. Bica – Kaffee/Espresso in verschiedenen Varianten. Bolo do caco – rundes Süßkartoffelbrot, heute meist als Weißbrot. Bolo de mel – dunkler, runder Gewürzkuchen mit Zuckerrohrsirup. Carne vinho e alhos – gewürfeltes Schweinefleisch, lange in Wein und Essig mit Knoblauch und Lorbeer mariniert. Espada – der Schwarze Degenfisch mit Banane oder mit Wein und Knoblauch eingelegt. Espadarte – Schwertfisch. Espetada – das Nationalgericht der Insel, traditionell wird das Rindfleisch frisch geschnitten, in grobem Lorbeersalz gewendet und auf einen Lorbeerstecken gespießt, den man über offener Glut brutzeln lässt. Milho frito – eine mit Kräutern gewürzte, in Würfel geschnittene Maispolenta. Poncha – Getränk aus Zitronensaft, Honig und Zuckerrohrschnaps und nicht zu vergessen den Likörwein Madeira in seinen vier Arten – Sercial, Verdelho, Boal und Malvasia. Bon apetite!

Vor einigen Jahren hat man mit EU-Geldern ein gigantisches Tunnelsystem gebaut, um einen sicheren und schnelleren Inselverkehr zu erreichen und sich dabei auf unabsehbare Zeit hoch verschuldet. Es gab viele alte Pass- und Küstenstrassen mit irrsinnigen Kurven voller Steigungen und gefährlich nahe an Talschluchten oder Abgründen. Die gefährlichste und schon 1976 selbst befahrene ist die alte Küstenstraße “Antigua ER101” von Sao Vicente nach Porto Moniz an der Nordküste. Heute leider nicht mehr befahrbar und teilweise auch schon abgebrochen. Es lohnt sich einen Leihwagen zu mieten, um die Insel in eigener Regie zu erkunden. Allerdings sollte man sich dafür eine gute Auto- oder Wanderkarte mit großem Maßstab kaufen. In meinen Bildunterschriften findet man zu jedem Photo die Orts- oder Gebietsangaben.

Aber das Schöne an der blühenden Insel ist doch, dass sie ein gut erreichbares warmes sicheres und völlig sauberes europäisches Urlaubsziel ist. 1,5 Flugstunden von Lissabon und ca. 4 Stunden von Frankfurt am Main entfernt. Ein Ort für alle, die vor Nässe und Kälte im Herbst/Winter fliehen wollen und sich nach Sonnenstrahlen sehnend die Langstrecke nach Afrika oder vor allem nach Asien sich ersparen wollen. Trotz dieser weit abgelegenen Lage im Atlantik ist Madeira bestens vernetzt, auch mit WLAN-Hotspots.

„Madeira ist schön wie Tahiti, aber sauber und sicher wie die Schweiz“   Sir Winston Churchill

Taubergießen – ein mystisches Paradies

Eine Kahnfahrt wie in Venedig durch einen Fluss-Seitenarm wie am Amazonas. Eine Reise in die Natur mit immer anderen Blickwinkeln.

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Der Taubergießen wird von zahlreichen Flussarmen durchzogen und ist einer der letzten naturnahen und weitgehend erhalten gebliebenen Auwaldgebiete am Europapark Rust in Baden-Württemberg. Dazu gehören auch noch die Elzwiesen der Blinden Elz mit ihrer Artenvielfalt, in denen auch noch seltene Orchideen wachsen. Deshalb wird der Taubergießen auch gerne als „Amazonas am Oberrhein“ bezeichnet. Den Namen „Taubergießen“ hat diese Landschaft von den zeitweise starken Grundwasseraustritten/Quellen, den “Gießen”. „Taub” geht auf eine alte Bezeichnung von Fischern für ein nähr- und sauerstoffarmes Gewässer zurück.
Das Naturschutzgebiet, das im Süden mit Rheinhausen beginnt und im Norden bis Wittenweier geht, wurde 1955 unter Landschaftsschutz gestellt und 1979 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es handelt sich dabei um das alte Rheinflussbett, wie es vor seiner Begradigung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aussah. Von der Vogelperspektive aus betrachtet, zieht sich der Taubergießen wie ein Schlauch 12 Kilometer am Oberrhein entlang. Die breiteste Stelle beträgt ca. 2,5 Kilometer. Es umfasst auf einer Fläche von ca. 1800 Hektar die rheinnahen Gemeinden Rheinhausen, Rust, Kappel, Wittenweier und die französische Gemeinde Rhinau. Aus historischen Gründen befinden sich 997 Hektar im Besitz der französischen Gemeinde Rhinau, jedoch unterliegt dieser Teil dem deutschen Fischereirecht sowie Jagd- und Naturschutz. Ein Bereich des Auwaldes wurde als Bannwald ausgewiesen, in diesem Bereich entwickelt sich ohne menschliche Ordnung wieder ein heimischer Urwald. Der Rest ist ein Schonwaldgebiet mit wirtschaftlicher Nutzung.

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Mein ortskundiger Reisebegleiter war Fischermeister Felix Sigg. Seit mehr als 45 Jahren Fischer und Stocherkahnfahrer in diesem Naturparadies. Felix Sigg ist einer der letzten beiden Fischermeister von Rust. Ein Fischer mit Leib und Seele mit großer Leidenschaft für die Natur. Sowohl die Fischerei als auch die Stocherkahnfahrten haben in seiner Familie eine lange Tradition. Urgroßvater, Opa und Vater waren schon Fischermeister mit eigenem Pachtwasser am Rhein. Erst arbeitete er im landwirtschaftlichen Betrieb (Gurken und Tabakanbau) seiner Eltern bevor er 1972 als Fischergehilfe tätig wurde. Er ist dort geboren und tief verbunden mit dieser einzigartigen Rheinlandschaft und würde mit keinem anderen Ort tauschen wollen.
Am Abend vor meiner Anreise hatte er seine Netze in den Altrheinarmen ausgelegt, damit er am nächsten Morgen mit mir seinen Fang einholen konnte. Barsche, Brassen, Rotfedern, Schleien, Zander und verschiedene Weißfische gingen in die Netze mit verschiedenen Maschenweiten. Kamberkrebse wurden wieder in das Wasser zurück geworfen. Viele Erklärungen und Aussagen bekam ich dabei von ihm zu hören: „Früher haben wir viel mehr Fische gefangen als heute. Das größte Problem ist der Kormoran und der Wels. Beide fressen sehr viele Fische weg und der Wels kann sogar junge Enten und Schwäne schnappen. Unsere Hauptfischerei/Brotfisch war der Aal, damit konnten wir große Fangquoten und Gewinne erzielen. Leider ist die Aalfischerei jetzt verboten. Heute weiß man nie, wie viel man fängt. Es können 60 kg sein oder auch einmal nichts, davon alleine kann man nicht mehr seinen Lebensunterhalt bestreiten. Aber mich freut es immer wieder und ich bin glücklich, wenn es ein bisschen im Netz zappelt“.
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Gemeinde Rust ein Fischer- und Bauerndorf. Die Lage am Rhein und die fruchtbaren Schwemmlandböden boten den Fischern und Landwirten eine gute Existenzgrundlage. Die Fischer gründeten die Fischerzunft 1583 Rust, um sich die Fischrechte in Rust und Umgebung zu sichern. Nur die Söhne eines Mitgliedes werden im Alter von 21 Jahren in die Zunft aufgenommen und das Fischrecht wird nur vom Vater an den männlichen Nachkommen weitervererbt. Durch diese Regelung bleibt das Fischrecht im Besitz weniger Familien im Taubergießen – so auch bei der Familie von Felix Sigg.

Felix Sigg rudert mich mittags mit seinem Stocherkahnboot durch das Naturschutzgebiet Taubergießen! Zwei Stunden Ruhe genießen in einer außergewöhnlichen Natur und es gibt noch viele Beschreibungen, Erklärungen und Witzle von ihm dazu. Über die Fischerei, die bewegte Geschichte an der Grenze von Deutschland und Frankreich und sein Wissen über die Natur. Er erzählt mir dabei auch, dass manche Gäste die völlige Ruhe bevorzugen und keine Erklärungen wünschen. Das kann ich gut verstehen – in der Ruhe liegt die Kraft und das Entschleunigen vom Alltagstrott. Schweben über dem Wasser und dabei auch einmal die Augen schließen und dem Rauschen des Wassers und den Geräuschen der Tierwelt zuhören. Der langsam dahin fließende Fluss, das klare Wasser, die vielen Pflanzen wie der Flutende Wasserhahnenfuß oder die geschmacklich starke Brunnenkresse, sowie farbenprächtige Libellen und Schwäne begleiten uns. Mächtige Bäume mit Lianengirlanden wie Eichen, Silberpappeln, Silberweiden und Ulmen wachsen am Flussbett und bilden schöne Baumgalerien. Mit Glück kann man den Eisvogel sehen, aber sicherlich die verschiedenen Entenarten, Kormorane, Graugänse, Nilgänse, Graureiher, Silberreiher, Seidenreiher und Bisamratten. Für viele Vögel ist das Gebiet Winterquartier, aber auch Rastplatz für durchziehende Zugvögel. Alles in Allem ein traumhafter Abstecher in eine andere Welt, begleitet von einem Fischer mit Leidenschaft, in einer magischen Auenlandschaft im Paradies Taubergießen.

Durch den Europapark hat sich mittlerweile die ganze Gemeindestruktur von Rust und das soziale Leben hier verändert. Mehr als 5,5 Millionen Besucher pro Jahr, damit verbunden Staus und Luftverschmutzung. Den ca. 4200 Einwohnern stehen mehr als 4500 Gästebetten entgegen. Es gibt kaum noch bezahlbare Mietwohnungen, dafür mehr lohnende Ferienwohnungen. Das fördert zwar die Steuereinnahmen der Gemeinde und im Ort wird viel investiert, aber das soziale Miteinander geht verloren. Die Gaststätten öffnen nur noch nach 17 Uhr, dann kommen die vielen Besucher aus dem Park und manche frequentieren dann die ansässigen Gaststätten. Mittagessen, Kaffee und Stammtische gehen der Dorfgemeinschaft aber verloren.

INFO:
Vorsicht besteht bei den angegebenen Rundwanderwegen. Manche Brücken existieren nicht mehr oder sind beschädigt und man steht plötzlich am Wasser ohne einer Möglichkeit der Überquerung. Das hat wohl schon bei einigen Wanderern dazu geführt, dass sie sich total verlaufen haben und Hilfe brauchten.
Familie Sigg bietet Stocherkahnfahrten ab der Zuckerbrücke bei Rust bis zur Gifizbrücke bei Kappel für max. 10 Personen im Boot an (ca. 2 Stunden). Da der Taubergießen nur stromabwärts befahren werden darf, besteht die Möglichkeit zur Mitnahme bei der Rückfahrt für max. 2 Personen. www.taubergiessenfahrten-felix-sigg.de

Rhoihesse – Rheinhessen

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In loser Aufreihung stelle ich immer wieder neue Photos über meine Heimat Rheinhessen hier zusammen. Mit dem Pajero Geländewagen und Canon-Photoequipment durch die Schönheit Rheinhessens. Vorbei an Bächen und Flüssen, durch malerische Landschaften mit sanft geschwungenen Hügeln und den vielen Weinbergen mit ihren „Wingertsheisjern“ – Trulli/Schutzhütten. Vorbei an Dörfern mit Fachwerkidylle und Hofreiten mit überraschenden Einblicken durch Hoftore oder hinein in die vielen kleinen Feldwege, die links und rechts von landwirtschaftlich genutzten Feldern, Weinstöcken oder Wiesen umgeben sind. Genießen Sie beim Anblick meiner Photos auch den weiten Blick über das Land der tausend Hügel bis zum Horizont – diese Ausblicke prägen die „Rheinhessische Toskana oder Rheinhessische Schweiz“.

Heimat ist für mich ein Land, das meine Kind- und Jugendjahre geprägt hat. Heimat ist auch ein Land, das mir die Möglichkeit gegeben hat mich als die Persönlichkeit zu entfalten, die ich heute bin. Heimat ist auch ein Land, das mich aus der Ferne nach Hause zieht.

Rheinhessen ist eine Region in Rheinland-Pfalz am oberen Rheinknie im Oberrheingraben, dessen Name auf die frühere Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen und bis 1945 zum Volksstaat Hessen zurückzuführen ist. Im Volksmund damals auch bekannt als “Hessen über dem Rhein”. Es liegt zwischen der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz und den Städten Bingen, Ingelheim, Alzey und Worms. Hier leben ca. 600.000 Menschen auf rund 1400 km². Eingerahmt von Nordpfälzer Bergland, Hunsrück, Rheingau, Taunus und Odenwald gehört Rheinhessen zu den wärmsten und trockensten Gegenden in Deutschland. Genau dieses geschützte Klima ist die ideale Basis für den Weinanbau und der Grund dafür, dass Rheinhessen mit 26.563 Hektar Rebfläche das größte Deutsche Weinanbaugebiet ist. Mainz ist die Weinhauptstadt Deutschlands. Es ist auch stark landwirtschaftlich geprägt mit dem Anbau von Obst (Kirschen/Äpfel), Kartoffeln, Spargel, Getreide, außerdem auch Raps und vor allem Zuckerrüben.
„Rhoihessisch Gebabbel“ – der rheinhessische Dialekt gehört zu den rheinfränkischen Dialekten und ist mit dem Südhessischen verwandt. Besonders bekanntes Gebabbel sind „Mer strunze nett, mer hunn“ – „Wir prahlen nicht, wir haben“, „Rhoihessewoi werd net alt, mer dringe in ob warm ob kalt“ – „Rheinhessenwein wird nicht alt, wir trinken ihn, ob warm, ob kalt“ und „Ei du Simbl“ – „Ach, Du dummer Junge“. Eine Kulturlandschaft mit kirchlichen Bauten (romanische Kaiserdome von Mainz und Worms), alten Kreuzgewölben, Kunst (Marc Chagall Fenster/Stephanskirche Mainz), Festspielen (Worms), Konzerten, Kleinkunstbühnen (Mainz/Unterhaus), Museen (Gutenberg), Sport (Mainz 05) und der bekannten Mainzer Fastnacht mit Weck, Worscht un Woi und natürlich mit der leckeren Rheinhessischen Küche (Backesgrumbeer, Dibbehas, Dibbelabbes, Grumbeersupp, Kräppel, Määnzer Handkees mit Musik, Quetschekuche, Määnzer Fleischworscht, Jambon de Mayence/Schinken, Spundekees mit Zwiwwele) und immer dazu ein Piffche Woi. Natürlich leben hier auch ganz besondere engagierte Menschen – vital und mit vollem Spass am Leben und Feiern, manchmal konservativ und dann doch wieder ganz modern, traditionell, vielfältig, red- und weinseelig und wie man so schön sagt – nicht auf den Mund gefallen. „Von de Lung uff die Zung un ohne Ferz“ – (Hildegard Bachmann). Wo immer man mit den Menschen hier in Kontakt kommt, ob zu Weinfesten, der Fastnachtszeit oder auf Jahrmärkten – die Gastfreundschaft der närrisch fröhlichen Rheinhessen ist schon sprichwörtlich. Bekannte Persönlichkeiten aus Rheinhessen sind z.B. Anna Seghers, Carl Zuckmayer, Hildegard von Bingen und Johannes Gutenberg.

 

Venedig – die schöne Stille im Winter

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Gelandet auf Venedigs kleinem Flughafen Marco Polo und gleich in der Ankunftshalle ein Ticket Linea Arancio (Linie Orange) der Bootslinie Alilaguna gekauft. Nun geht es mit noch anderen Touristen etwa 10 Minuten entlang eines überdachten Fußweges zum Bootsanleger. Das Hybrid-Boot der orangenen Linie schwankt im Schritttempo mit 7 km/h durch den ausgewiesenen Kanal in Richtung Venedig. Im Schiffsbauch sitzen wir gegenüber wie im Wartezimmer einer Arztpraxis. In der Mitte des Bootsrumpfes stapelt sich das Handgepäck, oben beim Einstieg stehen unsere Koffer. Alle schauen nun ganz aufgeregt und interessiert durch die schmalen Bootsfenster in Richtung der Lagunenstadt. Die Kameras werden gezückt und ein Photo nach dem anderen von der in der Ferne liegenden Silhouette Venedigs abgelichtet. „Venedig sehen und sterben“ meinte Thomans Mann – belassen wir es doch lieber beim Sehen, Flanieren, Erleben und Genießen.

Die schöne Stille im Winter – die Winter-Melancholie gibt der Stadt ein ganz anderes Gesicht als der Rummel des Sommers mit den vielen Touristenströmen. Das mattierende Licht dieser Jahreszeit bei bedecktem Himmel entsättigt etwas die Farben der alten Paläste oder lässt sie in der weichen Wintersonne noch farbiger und intensiver erscheinen. Diese Stadt ist einzigartig, denn wo sonst gibt es Gondeln statt Autos, Vaporetti statt Stadtbussen oder Kanäle statt Straßen und natürlich die Biennale, den weltberühmten Karneval und das Acqua alta (Hochwasser). Kein Auto, kein Bus, kein Motorrad, kein Fahrrad, kein Hupen, kein Bremsen – nur das Rauschen der Wellen in den Kanälen, das Knattern der Schiffsmotoren, das Läuten der vielen Kirchenglocken, der Schrei der Möwen, die Musik aus den Fenstern, das Parlare/Reden der Einwohner und ab und an das Singen der Gondolieri. Allein schon die Namen der sechs Stadtteile (Sestrieri) des Centro Storico (historischer Stadtteil) klingen wie Opernnamen – Cannaregio, Castello, Dorsoduro, San Marco, San Polo und Santa Croce. Dazu kommen noch die Inseln Isola della Giudecca, Burano, Murano, Torcello, die kleineren Inseln der Isole Minori und der Lido. Und nicht zu vergessen, Venedig ist die Lieblingskulisse der Liebenden in einer einzigartigen Lagunenromantik.

Venedig ist eine Stadt der Künstler, der Geschichten, der Kanäle und der Palazzi mit morbidem Charme – der melancholische Charme des Zerfalls. Aber vor allem reich an unverhofften Winkeln, verwunschenen Gassen und Plätzen, die immer wieder Verzückung und Erstaunen hervorrufen. Es reichen ein paar Schritte weg von den ausgetretenen Touristenpfaden und man kommt in eine ganz andere Welt. Die Route durch Venedig heisst Zufall und ohne Ziel. Besonders schön auch die magische Ruhe des Abends und der Nacht an den Kanälen zu spüren oder ein Acqua alta mitzuerleben. Im letzten Schimmer des Tages zeigt Venedig sein Traumgesicht. Das Wasser der Kanäle reflektiert und spiegelt die Lichter, Kirchen, Paläste und Brücken. Und dann die farbenprächtige und lebhafte Wasserstraße – der Canal Grande. Er durchzieht den Stadtkern S-förmig in einer Länge von fast 4 Kilometern und ist die logistische Schlagader der Stadt. Anders als in den Seitenkanälen herrscht auf dem Canal Grande den ganzen Tag Hochbetrieb. Gondeln dümpeln mit Touristen vorbei, Vaporetti schippern von Haltestelle zu Haltestelle, Alilaguna-Boote vom oder zum Flughafen voll mit Touristen und dazwischen tuckern Lastkähne. An beiden Ufern des Canal Grande die vielen schönen Palazzi. Welchen Aufwand es macht, diese auf Holzpfählen errichteten Gebäude zu erhalten, verrät die rückseitige Ansicht. Einige Paläste verdanken ihre Standhaftigkeit nur noch dem Nachbarpalazzo, an den sie sich noch anlehnen können. Die Venezianer leben wie in einem Freilichtmuseum – zwischen Alltag, Pracht und Kommerz. Und jedes Jahr kommen neue Höchststände an Besucherströmen. An manchen Tagen hat der berühmte Markusplatz sogar mehr Besucher als Einwohner in der Stadt leben. Den Venezianern bleibt einfach nur noch die Statistenrolle auf der Bühne ihrer Heimatstadt. Was hat die Zeit nun Venedig gebracht? Bäckereien, Metzgereien oder Buchhandlungen wurden in Nobelboutiquen oder chinesische Touristengeschäfte mit Souvenir-Billigware verwandelt oder in Pizzabuden mit ausländischen Bediensteten. Nicht angemeldete illegale Touristenguides führen Touristengruppen gegen Bezahlung/Schwarzgeld durch die Stadt. Der venezianische Alltag und die Infrastruktur einer Stadt verschwindet immer mehr. Natürlich lebt in Venedig alles vom Tourismus, er ist Fluch und Segen dieser Stadt. Unterhält man sich mit den Venezianern, dann hört man immer wieder: Wir leben wie in einem Altersheim, die jungen Leute ziehen weg und die Alten bleiben mit den Touristen hier. Mittlerweile vermietet kaum noch ein Venezianer einem anderen Venezianer eine Mietwohnung. Es gibt jetzt mehr Privatvermieter von Zimmern für Touristen als Hotelzimmer in Venedig und immer mehr Ausländer kaufen für teures Geld die alten Palazzi auf.  Die Altstadt blutet langsam aus. Das Besondere aber ist dabei immer noch, dass wir hier gut funktionierende Nachbarschaftsbeziehungen haben und im Winter Venedig wieder mit Ruhe zu sich selbst findet.

Entlang der Kanäle kann man sich treiben lassen und dabei unzählige Kaffeebars und Bacari (typische Weinlokale) sehen. Für einen Cappucchino, Espresso, Macchiatone, Ristretto, Sprizz oder Wein findet man hier immer Zeit. Empfehlenswert ist das Antica Torrefazione di Caffè in Cannaregio. Für einen Kaffee im Stehen zwischendurch die optimale Adresse. Und wer bei oder nach einer Erkundungstour eine Kleinigkeit essen möchte, der sollte in einem Bacaro bei einem Glas Wein oder Sprizz ein paar Cicchetti – eine Art italienische Tapas – essen. Die besten Cicchetti gibt es in Dorsoduro in der Cantine del Vino Gia Schiavi oder der Osteria Al Squero. Je mehr Cicchetti man käuft, um so billiger je Stück werden sie – auf die Preistafeln achten! Beide Weinlokale liegen an der Fondamenta Nani und am Rio de S. Trovaso.
Buon appetito – Essen sollte man in Venedig abseits der Hauptrouten in Restaurants, in denen die Venezianer selbst zum Essen gehen. Hier bestimmt oft das tägliche Angebot auf dem Gemüse- bzw. Fischmarkt die Speisekarte, falls es überhaupt eine Speisekarte gibt. Einfach überraschen lassen und geniessen wie bei der einfachen kleinen Trattoria Bertolini Marialuisa (ehemals Da Marisa). Hier kocht die Familiencrew täglich frisch immer nur ein bodenständiges venezianisches Menü und es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Dazu gibt es einen halben Liter Weisswein, eine Flasche Wasser und am Menüende einen Espresso. Das Fischmenü besteht z.B. aus den Antipasti: zerkleinerter Stockfisch mit Polenta, Carpaccio von mariniertem Seebarsch auf Rucola, gegrillte kleine Moschuskragen in Tomatensugo und gefüllte gratinierte Miesmuscheln. Der Primo Piatto: Fischlasagne aus drei verschiedenen Fischsorten. Der Secondo Piatto: frittierte Calamari, Gambas und Stockfisch. Das Dessert: Mandel-Likör-Mascarpone mit Amarettini. Das ganze Menü mit Getränken für 35,- € pro Person. Es empfiehlt sich frühzeitig einen Tisch zu reservieren.

Ein anderes Rom

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Auf der Suche nach einem anderen Rom – nach verborgenen, nicht alltäglichen Einblicken in dieser Stadt. Spontane Szenen, Details, zufällige Begegnungen, Momentaufnahmen des realen Alltages. Abseits der touristischen, monumentalen Highlights findet der “andere Blickwinkel” die alltägliche urbane Umgebung Roms.

 

Das bekannte Rom

Rom – das größte Museum der Welt. Antike und moderne Orte wechseln sich ab, man läuft auf der Straße und bewegt sich überall wie auf einer großen Bühne. Gesehen und gesehen werden – und beim Einkaufen gehört “La Chiacchierata”, das Schwätzchen dazu. Stilvoller Kaufrausch in alten Palästen – mal elegant und dekadent, mal flippig und trendy.

LISBOA – Lissabon/Portugal

Eine Städtereise zwischen der Melancholie des Fado, dem südländischen Flair und moderner Architektur.

Die portugiesische Hauptstadt Lissabon wurde auf sieben Hügeln am Fluss Rio Tejo erbaut. Eingeteilt in 4 Stadtbezirke und 53 Stadtgemeinden. Der älteste Stadtteil ist Alfama durch die Mauren gegründet, Baixa das Einkaufsviertel mit dem Aufzug Elevador da Santa Justa, das Altstadtviertel Bairro Alto, Belem mit dem Torre de Belém (UNESCO Weltkulturerbe), das kleine Viertel Castelo mit dem Castelo Sao Jorge, das aristokratische Viertel Chiado, Parque das Nacoes (Expogelände), Rossio die Unterstadt und Geschäftsviertel – nur um einige zu nennen. Jede auf seine Art anders und charakteristisch. Die alten Stadtviertel Alfama und Bairro Alto fanden wir am schönsten – ursprünglich, voller Atmosphäre mit einem sympathisch zurückhaltenden Lebensstil. An fast jeder Ecke oder freiem Platz ein Cafe oder Restaurant für den beliebten Bica, eine portugiesische Espressovariation. Kleine Einkaufsläden oder moderne Shops und für alle Nachtschwärmer sind diese Viertel bestens geeignet. Wer den Fado liebt, für den gibt es in der Alfama kleine ursprüngliche Lokale mit Darbietungen dieses melancholischen Gesangsstiles. In den Stadtvierteln Chiado, Baixa, Rossio und den Boulevards findet man u.a. die exklusiven Einkaufsläden voller Charme und in allen Vierteln die bunten Azulejos (gebrannte Kachelkunst) oder die verschiedensten Straßenmusiker mit Gitarren oder Akkordeons.

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Lissabon ist eine kosmopolitische Stadt mit einem reichen Kulturangebot und vielfältigen Museen. Am besten erkundet man sie natürlich zu Fuß (manchmal schon eine schweisstreibende Angelegenheit) oder zusätzlich per moderner oder nostalgischer Tram, Bus, Standseilbahn oder Metro. Die Stadt ist wunderschön, unheimlich viele alte gekachelte Häuserzeilen mit den obligatorischen schmiedeeisernen Gitterbalkons säumen die ursprünglichen Straßen und Gassen. Diese winden sich den Berg hinauf und wieder herab. Alle mit weissem oder schwarzem Kopfsteinpflaster teilweise in den verschiedensten Mosaiken bestückt. Dazwischen ruckelt diese wunderschöne alte Straßenbahn, die berühmte Linie 28 und bringt uns zu den Highlights Lissabons. Wir werden nicht müde diesen Flair täglich auf das Neue zu erleben und zu erfahren. Wir lassen uns treiben, bummeln durch die Straßen und vielen botanischen Gärten, schauen in die kleinen Boutiquen und Designershops, setzen uns an die zahlreichen stimmungsvollen Plätze und Miradoures (Aussichtspunkte) und trinken ein Wasser oder Kaffee. Besonders auch die moderne Architektur meistens in den Aussenbezirken zu finden wie dem ehemaligen Expogelände Parque das Nacoes mit dem größten Aquarium Europas, das Oceanàrio. Nicht zu vergessen die Metrostation Gare Oriente – eine unterirdische Kunstgalerie mit oberirdischer futuristischer Architektur.

Das besondere helle Sonnenlicht, die künstlerischen und kulinarischen Eindrücke, die Vielfalt der Nostalgie und der Moderne, die Melancholie und Leidenschaft des Fado, die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, aber auch die Lebensfreude der Menschen und der besondere Charme oder die Ursprünglichkeit der verschiedenen Stadtviertel zeichnen Lissabon aus. Für uns war es eine wunderbare Zeitreise durch diese lebendige Großstadtmetropole in die wir gerne wieder zurückkehren werden.