Zen ist eine Richtung des buddhistischen Glaubens und ein besonderer Ausdruck japanischer Spiritualität und Meditation, stammt aber ursprünglich aus China und ist abgeleitet vom chinesischen Wort ch’an, das nach dem Sanskrit die Bedeutung für Gedanke, Vertiefung und Meditation bedeutet. Meditation bei Zen beinhaltet Selbstkontrolle und Erkenntnis. In einem Zen-Zustand erfährt man z.B. Achtsamkeit, Demut, Frieden, Gelassenheit, Harmonie, Inspiration, Klarheit, seelisches Gleichgewicht, Stille und Ruhe.

Goldener Fenchel
Knospen wiegen hoch am Stiel
Nektar für die Welt
Zen-Kunst im allgemeinen weist auf die Verbundenheit der Dinge hin und kann vertiefte spirituelle Einsichten erzeugen. Diese künstlerische Ästhetik steht für Einfachheit, Natürlichkeit und ist ursprünglich inspiriert von der Schönheit und Vergänglichkeit der Natur. Zen-Fotografie kombiniert mit der japanischen Haiku Gedichtskunst wendet diese Gestaltungsprinzipien auf das Medium Fotografie an. Den flüchtigen Moment festzuhalten in teils minimalistischer Form, naturnah, abstrakt oder mit dem Spiel von Schärfe / Unschärfe mit Verwischungen. In letzterem liegt dann immer eine leichte Melancholie, Poesie oder Verträumtheit.

Sommer auf dem Teich
Froschbiss treibt, die Rose glänzt
Zur Ruhe finden
Im Ursprung ist ein Haiku eine traditionelle japanische Gedichtform, die sich im Ausdrücken durch ihre Einfachheit, Kürze und Klarheit auszeichnet. Im Haiku schwingt die Seele der Natur und des Augenblickes und zeigt dabei auch die Vergänglichkeit von Natur und Jahreszeiten. Es tauchte erstmals im 17. Jahrhundert in der japanischen Literatur auf, wurde aber erst im 19. Jahrhundert unter diesem Namen bekannt. Als einer der bekanntesten Haiku-Dichter gilt Matsuo Bashō.

Grauer Stein auf Stein
Moos webt grünes Band der Zeit
Stille hält den Glauben
Ein typisches japanisches Haiku besteht aus drei Zeilen mit einer Silbenstruktur von 5-7-5. Wichtig ist auch zu beachten, dass Silben im Japanischen anders sind als im Deutschen. In Japan werden diese „Mora” oder Mehrzahl „Moren“ genannt und haben eine ganz andere Länge als die Silben, die wir kennen. Mittlerweile werden bei uns 10-18 deutsche Silben benutzt. Haiku müssen sich nicht reimen, können es aber und werden im Präsenz / Gegenwart geschrieben. Es soll genau jetzt den beschriebenen Augenblick und Moment darstellen oder wiedergeben.

Winterdämmerung
Tunnel führt durch das Schweigen
Schnee schluckt jeden Schritt
Viele traditionelle Haiku beinhalten ein „Kigo“, ein Wort oder Ausdruck, der eine bestimmte Jahreszeit, die Natur oder Witterungen dazu andeutet. Tiere spielen ebenso eine wichtige Rolle als Symbole ( z.B. Frosch, Kranich, Libelle, Schmetterling ). Auch können sie Gefühle wie Freude, Trauer oder Sehnsüchte oder Ungesagtes, offenes transportieren.

Königliche Pracht
Streu Rosen über die Zeit
Duft erfüllt den Tag

Toter Baum im Licht
Spiegelt sich im stillen Nass
Auch die Gedanken?

Eiskalte Stille
Rauhreif umgibt die zarte Feder
Schönheit ohne Dauer

Purpur in der Luft
Witwenblume lockt im Wind
Bienen tanzen froh

Rost ist der Verfall
Stille frisst die Form des Seins
Zeitlos, ohne Eile

Stumme Silhouetten
Gegen das verblasste Licht
Gedanken wandern

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