AS-SALAMU ALAYKUM MARRAKESCH

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Marrakesch ist anziehend, berauschend, sinnlich, verwirrend und manchmal ernüchternd. In ca. 4 Stunden per Flug aus Deutschland erreicht man Marrakesch in Marokko. An jeder Ecke gibt es neue Eindrücke zu erleben und zu erfahren. Schon von weitem bei der Ankunft wird man von den Farbkontrasten dieser Stadt überrascht. Rot-ockerfarbene alte Festungsmauern aus gestampften Lehm und 19 km lang, Bäume mit leuchtenden Orangen, grüne Palmenhaine und teilweise beiger Sand dazwischen und im Hintergrund die Gipfel des Hohen Atlas. Die Riads Joya und El Cadi sind ein ruhiger Zufluchtsort zum entspannen in dieser pulsierenden Stadt. Riads sind traditionelle marokkanische Häuser oder alte Paläste mit einem schönen Innenhof als Garten oder Sitzplatz meist mit Springbrunnen und einer großen Dachterrasse. Oasen der Ruhe und manchmal in den verwinkelten engen Gassen sehr schwer zu finden. 

Die „Rote Stadt” am Fuße des Hohen Atlas gelegen, zählt neben Meknès, Fès und Rabat zu den Königsstädten Marokkos. Eine labyrinthartige Medina, enge Gassen mit geflochtenem Schilf überdacht und beschattet, bunte Souks, Paläste, religiöse Bauten, alte Karawansereien, schreiende und wild gestikulierende Händler, Eselskarren, Garküchen, fremde Gerüche und grüne Oasen – das ist Marrakesch, die erste afrikanische Kulturhauptstadt seit 2020 und eine malerische Kulisse wie aus 1001 Nacht vor der Szenerie des Hohen Atlas Gebirges. Marrakesch ist auch eine Stadt der Künstler und es gibt eine Vielzahl an Kunstgalerien von Malern, Bildhauern und sonstigen Künstlern. Die vielen Literaturcafés dienen der Präsentation der Kultur Marokkos. Ausserhalb der Medina gibt es auch noch schöne Gartenanlagen, wie der von Jacques Majorelle und laden zum Verweilen ein, weitere alte Paläste und der Djemaa el Fna ist als UNESCO Weltkulturerbe ein Spektakel der besonderen Art. Die Stimmenfetzen, die kräftigen Farben, das quirlige Treiben, der Duft der vielen Gewürze und die vielfältigen Gerüche ergeben und bilden dort eine erstaunliche sinnliche Symphonie. Hier kann man auch die bekannten „Gnaouas“ erleben, die im Rhythmus ihrer Metallkastagnetten vibrieren und springen. Will man auf dem Djemaa el Fna Affenbändiger, Gaukler, Geschichtenerzähler, Schlangenbeschwörer oder Wasserverkäufer photographieren, muss man erst zuvor in Dirham festgelegte Preise bezahlen und darf nicht gleich photographieren, erst unbedingt fragen und bezahlen, ansonsten gibt es mächtig Ärger.

Das Museum Maison de la Photographie mit seiner Sammlung von alten Originalphotographien aus den Jahren 1870 – 1950 von Marrakesch ist eine sehr gute Anlaufstation, um das alte Marrakesch zu sehen. Auf der Dachterrasse gibt es ein Café mit weitem Blick über die Stadt.

Der ca. 4000 m² große Majorelle-Garten ist ein farbenfroher Ort und wurde von dem französischen Maler Jacques Majorelle geschaffen, der sich 1922 in Marrakesch niederließ. 1980 kauften Yves Saint Laurent und Pierre Bergé das Anwesen und retten dadurch den Garten vor dem Verfall. Heute ist der Garten im Besitz der Stiftung „The Majorelle Trust“ und beherbergt auch das Museum für islamische Kunst mit Kunsthandwerk und einer nordafrikanischen Textilsammlung. Der Botanische Garten hat eine Vielzahl an Pflanzen aus allen fünf Kontinenten und eine große Kakteensammlung, aber der Hauptgrund für die Beliebtheit des Jardin Majorelle dürfte in den blauen Wänden der Villa, der Bassins und den blauen und gelben Töpfen liegen. Das leuchtende, tiefe Blau wurde von Jacques Majorelle selbst gemischt und trägt heute auch seinen Namen „Majorelle-Blau“. Es sollte das Blau des Himmels von Marrakesch darstellen. Wer sich die Zeit und Ruhe nimmt, wird die wahre Kraft des Gartens spüren, die Verträumtheit und die Lebensfreude darin.

Um die marokkanische Handwerkskunst und die Geschicklichkeit der Handwerker zu sehen, sollte man unbedingt einen Gang durch die Souks der Medina machen. Die Souks sind eine Welt für sich und ziehen Besucher aus der ganzen Welt an und Verhandeln gehört dazu und es ist eine Tradition zum guten Einkaufserlebnis. Die Händler fordern mit Gesten und freundlichen Worten dazu auf, ihre Geschäfte zu betreten. Dabei erzählen sie wortreiche Geschichten und wenn sie merken, dass man aus Deutschland kommt, hört man schon manchmal „Sauerkraut” oder einmal sogar von einem Soukhändler etwas durchaus auch nachdenkliches – „Immer nur schaffe, schaffe Häusle bauen”. Es gibt unterschiedliche Souks, die sich traditionell seit dem Mittelalter nach Zünften organisieren und überall werden einheimische Gerichte angeboten. Die Händler bieten ihre Waren offensiv, aber höflich an. Auch sind es Orte, wo sich Menschen aus allen Teilen der Stadt treffen, um sich auszutauschen und die lokale Kultur zu erleben. Hier einige Souks für verschiedene Waren: Souk El Attarine ist bekannt für seine Gewürze, Souk Zrabi für Teppiche, Souk Fekharine für Töpferwaren, Souk Chouari für Holzschnitzkunst, Souk Sebbaghine für Färber, Souk Cherratine für seine Lederwaren und Souk Haddadine ist für Metall- und Schmiedekunst. Der Souk Semmarine ist einer der größten der Stadt mit einem großen Angebot an traditioneller marokkanischer Kleidung, Antiquitäten, Lebensmitteln und Gewürzen. Arganöl, Brochettes, Couscous, Harissa, Koriander, Kreuzkümmel, Merguez, Meschoui, Ras el Hanout, Safran, Schnecken, Tajines und Zimt sind einige Elemente der marokkanischen Küche, die es dort zu kaufen gibt. Es ist manchmal schwierig, sich in den engen Gassen der Medina und Souks zurecht zu finden, das macht eigentlich nichts, denn viele Einheimische helfen weiter. Leider gibt es mittlerweile auch Ausnahmen. Oft wird von arbeitslosen Jugendlichen angeboten, dass sie den Weg zeigen und dorthin begleiten wollen, auch ohne dass man es will und dann natürlich gegen eine angemessene Belohnung, die durchaus auch zu Streitigkeiten führen kann. Sie verfolgen einem aufdringlich und aggressiv, wenn man sich nicht auf sie einläßt. 

MAROKKO

Inschallah – so Gott will ist das meist benutzte Wort der marokkanischen Bevölkerung. Die von den Berbern abstammende Bevölkerung wurde im Laufe der Geschichte von vielfältigen Einflüssen von Arabern und Europäern geprägt. Selbstbewusste Menschen, verwurzelt in Religion, Tradition und doch offen für westliche Einflüsse.

IMPRESSIONEN WIE AUS 1001 NACHT

Wir sitzen am Abend auf einer schönen Dachterrasse eines alten Riads in Marrakesch in farbenfrohen Kissen bestickt mit floralen Ornamenten in den Farben des Orients. Wir tragen luftige, bunte arabische Kaftans und genießen einen Pfefferminztee. Die Dachterrasse ist umgeben von Vorhangstangen, an denen farbige Stoffbahnen und Fahnen im Wind wehen. Ein kleines Glöckchen bimmelt ganz leise und zwei Wasserpfeifen sprudeln vor sich hin und wir schauen eng umschlungen dem Sonnenuntergang zu. Die untergehende Sonne übergießt den Himmel mit glühender Farbe und in der Ferne leuchten die Schneeberge des Hohen Atlas wie eine Bühnenkulisse über den roten- und ockerfarbenen Mauern und Minaretten der Stadt.

Unter uns liegt der Djemaa el Fna, der Platz der Geköpften und er erwacht gerade mit pulsierendem Leben. Aus allen Gassen der Medina strömen die Menschen herbei. Zum lauten Dröhnen der Trommeln der Schlangenbeschwörer beginnt sich die Dunkelheit über den Platz zu legen und daneben sammelt sich die Menge um einen Geschichtenerzähler. In den Garküchen schmoren Hammelspieße und Tajines. Auf bunten Decken breiten Händler ihre Waren aus, Ringe, Ketten und Armreifen, kunstvoll geschnitzte Holzfiguren und Babouches, die bunt bestickten Lederpantoffeln. Die Menschen gehen vorbei an den Schalen und Körben der Gewürzhändler, sie sind randvoll gefüllt mit duftenden Gewürzen in allen Nuancen von Rot, Braun und Gelb. Ingwer, Kardamom, Koriandersaat, Kurkuma, Kreuzkümmel, Muskatnuss, Nelken, Sternanis, Zimt und nicht zuletzt das edelste und teuerste Gewürz der Welt – Safran.

Der Zauber beginnt zu wirken. Immer mehr Männer in Djellabahs, den langen Wollgewändern mit Zipfelkapuze, Berberinnen aus dem Gebirge behängt mit schwerem Silberschmuck, verschleierte Frauen in Seide gehüllt, streben zu den Garküchen. Dort brutzeln Schafsköpfe, Heuschrecken oder Lammfüße unter gewaltigen Rauchschwaden vor sich hin. Mopeds, Fahrräder, Eselskarren und Lastenträger bahnen sich ihren Weg durch das Gewimmel der Berber. Affenbändiger, Akrobaten, Gaukler, Schlangenbeschwörer, Wahrsager, Wasserverkäufer, Wunderheiler und junge Männer, die in Frauenkleidern aufreizend tanzen, bevölkern den Platz. Verschleierte Frauen aus den Vierteln liefern Teig für das Fladenbrot an und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind.

Ab und zu weht ein Hauch von Nelkengeruch und Weihrauch zu uns hoch. Der orientalische Duft von Gewürzen und Eingelegtem des Lebensmittelhändlers steigt in unsere Nasen und die leuchtenden Farben, der im Souk der Färber angebotenen Wolle, zieht unsere Blicke magisch an. Wohlschmeckende Bratspieße, genannt Mergez und süße Backwaren mit Honig lassen ein Gefühl des Hungers aufkommen. Das Gemurmel der Menschenmenge und das dumpfe Geräusch von Werkzeugen dringt auch an unsere Ohren und das Schreien der Lämmer durchbricht alle anderen Geräusche. In der Ferne hören wir einen Muezzin das Abendgebet durchs Megaphon beten, er wird begleitet von der Musik mehrerer Posaunen und Gesänge zum Ramadan. Das Abendrot lässt alles in einem feurigen Licht erscheinen, wir schliessen die Augen und geniessen diesen berührenden Augenblick.

VON MARRAKESCH ÜBER DEN HOHEN ATLAS NACH AïT BEN HADDOU

Über den Hohen Atlas und über den Tizi n’Tichka-Pass ( 2260 m ) gelangt man u.a. zu der bekannten Kasbah Aït Ben Haddou. Der Weg dorthin führt vorbei an rauen kargen Berglandschaften des Atlas-Gebirges und verschachtelten Berberdörfern, die oft in die Berghänge gebaut sind und teilweise an Pueblo-Dörfer erinnern. Es gibt nur wenige Stellen die passierbar sind. Eine davon ist von Marrakesch aus der Tizi n’Tichka Pass auf 2260 m Höhe. Die Strasse N9 darüber ist soweit gut befahrbar, asphaltiert und die kürzeste und schnellste Route von Marrakesch in den Süden. Von November bis März ist mit starken Regenfällen, Schneefall oder Glatteis zu rechnen und der Pass ist öfters dann gesperrt. Tizi bedeutet Berg und Tichka gefährlich – gefährlicher Berg. Sobald man vom Tizi n’Tichka-Pass bergab fährt verändert sich das Landschaftsbild von kargen Bergen in fruchtbare Täler und dann in ein wüstenähnliches Gebiet. Vor diesen Bergen bildet Aït Ben Haddou ein traumhaftes Bild in rotgelben Tönen am oft ausgetrockneten Fluss Asif Mellah. Sie ist ca. 180 km von Marrakesch entfernt und seit 1987 ein UNESCO Weltkulturerbe und Kulisse vieler Kinofilme wie die Bibel, Game of Thrones, Gladiator und Lawrence von Arabien. Die Kasbah war im 11. Jahrhundert der Hauptort der Sippe Aït der Ben Haddou und diese verdienten ihren Lebensunterhalt mit Karawanenhandel. Die Siedlung besteht aus eng aneinander verschachtelten Wohnburgen ( Tighremts ) mit Zinnen, aufwendigen Verzierungen, Innenhöfen und entstand aus Stampflehm und luftgetrockneten Lehmziegeln. Auf der Bergspitze befindet sich noch eine kleine Kasbah aus dem 17. Jahrhundert. Seit 1987 wird Aït Ben Haddou ständig renoviert wegen dem Zerfall bedingt durch Regenwasser. Doch die letzten Jahre fallen die Regenfälle immer mehr aus und durch das fehlende Wasser, die Witterung und die Belastung durch die vielen Touristenströme wird der dauerhafte Bestand der traditionellen Kasbah in Frage gestellt. Der Wandel vom Dorf zum Freilichtmuseum wird aber auch immer augenscheinlicher.


Kommentare

2 Antworten zu „AS-SALAMU ALAYKUM MARRAKESCH“

  1. Avatar von Bettina Pistel
    Bettina Pistel

    Vielen Dank Herr Glöckner für die wunderschönen Impressionen.
    Wir möchten gern Anfang Dezember eine Woche in Marrakesch verbringen.
    Können Sie uns den Namen des Riad verraten in welchem Sie gewesen sind?
    Vielen Dank und beste Grüße
    aus Mönchengladbach

    1. Avatar von Volker
      Volker

      Salam alai kum Frau Pistel,
      mein 1. Riad in Marrakesch war das El Cadi unter deutscher Leitung. Bei meiner letzten Reise war es das Riad Joya (dieses meinten Sie sicherlich). Beide liegen in der Medina von Marrakesch – also mitten im Herzen der Stadt. Besuchen Sie auch unbedingt das Dar Cherifa, vor allem wenn bei einer Veranstaltung Kunst und Musik zusammentrifft (http://www.bunte.de/meldungen/marrakesch-einmal-anders-kunst-und-tee-im-dar-cherifa-96563.html).
      Viele Grüße aus Mainz – Volker Glöckner

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