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Rhoihesse – Rheinhessen

Rheinhessen Wendelsheim WWW_01

 

In loser Aufreihung stelle ich immer wieder neue Photos über meine Heimat Rheinhessen hier zusammen. Mit dem Pajero Geländewagen und Canon-Photoequipment durch die Schönheit Rheinhessens. Vorbei an Bächen und Flüssen, durch malerische Landschaften mit sanft geschwungenen Hügeln und den vielen Weinbergen mit ihren „Wingertsheisjern“ – Trulli/Schutzhütten. Vorbei an Dörfern mit Fachwerkidylle und Hofreiten mit überraschenden Einblicken durch Hoftore oder hinein in die vielen kleinen Feldwege, die links und rechts von landwirtschaftlich genutzten Feldern, Weinstöcken oder Wiesen umgeben sind. Genießen Sie beim Anblick meiner Photos auch den weiten Blick über das Land der tausend Hügel bis zum Horizont – diese Ausblicke prägen die „Rheinhessische Toskana oder Rheinhessische Schweiz“.

Heimat ist für mich ein Land, das meine Kind- und Jugendjahre geprägt hat. Heimat ist auch ein Land, das mir die Möglichkeit gegeben hat mich als die Persönlichkeit zu entfalten, die ich heute bin. Heimat ist auch ein Land, das mich aus der Ferne nach Hause zieht.

Rheinhessen ist eine Region in Rheinland-Pfalz am oberen Rheinknie im Oberrheingraben, dessen Name auf die frühere Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen und bis 1945 zum Volksstaat Hessen zurückzuführen ist. Im Volksmund damals auch bekannt als „Hessen über dem Rhein“. Es liegt zwischen der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz und den Städten Bingen, Ingelheim, Alzey und Worms. Hier leben ca. 600.000 Menschen auf rund 1400 km². Eingerahmt von Nordpfälzer Bergland, Hunsrück, Rheingau, Taunus und Odenwald gehört Rheinhessen zu den wärmsten und trockensten Gegenden in Deutschland. Genau dieses geschützte Klima ist die ideale Basis für den Weinanbau und der Grund dafür, dass Rheinhessen mit 26.563 Hektar Rebfläche das größte Deutsche Weinanbaugebiet ist. Es ist auch stark landwirtschaftlich geprägt mit dem Anbau von Obst (Kirschen/Äpfel), Kartoffeln, Spargel, Getreide, außerdem auch Raps und vor allem Zuckerrüben.

„Rhoihessisch Gebabbel“ – der rheinhessische Dialekt gehört zu den rheinfränkischen Dialekten und ist mit dem Südhessischen verwandt. Besonders bekanntes Gebabbel sind „Mer strunze nett, mer hunn“ – „Wir prahlen nicht, wir haben“, „Rhoihessewoi werd net alt, mer dringe in ob warm ob kalt“ – „Rheinhessenwein wird nicht alt, wir trinken ihn, ob warm, ob kalt“ und „Ei du Simbl“ – „Ach, Du dummer Junge“. Eine Kulturlandschaft mit kirchlichen Bauten (romanische Kaiserdome von Mainz und Worms), alten Kreuzgewölben, Kunst (Marc Chagall Fenster/Stephanskirche Mainz), Festspielen (Worms), Konzerten, Kleinkunstbühnen (Mainz), Museen (Gutenberg), Sport (Mainz 05) und der bekannten Mainzer Fastnacht mit Weck, Worscht un Woi und natürlich mit der leckeren Rheinhessischen Küche (Backesgrumbeer, Dibbehas, Dibbelabbes, Grumbeersupp, Kräppel, Määnzer Handkees mit Musik, Quetschekuche, Määnzer Fleischworscht, Jambon de Mayence/Schinken, Spundekees mit Zwiwwele) und immer dazu ein Piffche Woi. Natürlich leben hier auch ganz besondere Menschen – vital und mit vollem Spass am Leben und Feiern, manchmal konservativ und dann doch wieder ganz modern, traditionell, vielfältig, red- und weinseelig und wie man so schön sagt – nicht auf den Mund gefallen. „Von de Lung uff die Zung un ohne Ferz“ – (Hildegard Bachmann). Bekannte Persönlichkeiten aus Rheinhessen sind z.B. Anna Seghers, Carl Zuckmayer, Hildegard von Bingen und Johannes Gutenberg.

 

Timbuktu/Mali – Bilder gegen den Terror

"Timbuktu Fasso" – Fatoumata Diawara & Amine Bouhafa & The City of Prague Philharmonic Orchestra

Mit seinem wunderbar lyrischen Film „Timbuktu“ führt uns der Regisseur Abderrahmane Sissako vor Augen, warum die Islamisten nicht gewinnen werden. Ein eindringlicher Film über den Einfluss von Dschihadisten auf das alltägliche Leben der Menschen in Timbuktu und Umgebung. Sissakos Film geht von Begebenheiten aus, die sich von April 2012 bis Anfang 2013 in Timbuktu ereigneten, als die Stadt am Rand der Sahara in die Hände von al-Qaida und Ansar Dine fiel. Die islamistischen Gruppen versuchten, eine strenge Form der Scharia einzuführen, und begannen mit der Zerstörung von Gebäuden, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören.

THIS IS MY LAND
This is Timbuktu, my home land,
Where the children are mourning from gloom,
This is my land, Timbuktu «the Maliba»,
The land of love,
The land of warmth,
The land of dignity,
Here is my Nation…
Why are we crying?
Why are the children crying?
Why are the young crying?
Cause of unfairness,
Cause of violence,
Fearing the future…
Here is my home
Stop crying
Cause no matter what, Timbuktu will remain

Kenia – Das Volk der Samburu und das Samburu-Nationalreservat

Fahrt in das Samburu County

Kenia Maralal WWW_06

 

 

Kenia Maralal Manyatta Lekume Krieger Tanz WWW_01

 

Weitere Texte und Photos folgen!

Meine zweite besuchte Manyatta lag ca. 3 km zu Fuß von der Landstrasse C77 bei Maralal landeinwärts. Siri und ein kurzfristig engagierter Führer namens Ernest gingen mit mir bergauf durch eine wunderschöne Landschaft zu der einfachen Manyatta von Elder Lekalasimi. Seine Gelassenheit, Ruhe und Unbeweglichkeit ließ nur schwer erahnen, wie alt er war. Er hatte jedenfalls drei Frauen unterschiedlichsten Alters und fünfzehn Kinder. Die Frauen und fünf seiner Kinder waren in der Manyatta anwesend. Sie freuten sich über unseren Besuch und lächelten mich immer wieder freudig an. Ernest übersetzte für mich meine Fragen und so konnten wir miteinander kommunizieren. Die Big Mama der Manyatta lud mich dann in ihre Hütte ein und zeigte mir ihre einfache Einrichtung. Ein Bretterbett abgetrennt mit runden dünnen Baumstämmen vom Innenraum mit Einstieg und bedeckt mit dünnen Kuh- und Ziegenfellen, ein schmales einfaches Holzregal, eine fest eingebaute Holzbank über die gesamte Breite der Hütte, Metallkochtöpfe und Milchgefäße (Mala oder Calamash) und eine im Boden mit Steinen umfasste Kochmulde für das Holzfeuer. Mir wurde noch erklärt, wie die Milchgefäße benutzt und wie sie mit der brennenden Rinde des Thamayo Baumes gereinigt werden. Diese Hütte der Big Mama darf ihr Ehemann nicht betreten, das verlangt die traditionelle Kultur der Samburus. Die Familie hatte zum Leben Hühner, Kühe, Ziegen und ausserhalb ein paar große Mais- und Gemüsefelder. Irgendwie hatte ich wieder einmal den Eindruck, dass die Menschen hier viel glücklicher und zufriedener sind, auch wenn sie kaum etwas besitzen. Als Dankeschön für ihre Gastfreundschaft bezahlte ich noch ein von meinem Führer Ernest ausgehandeltes Geldgeschenk und alle winkten mir noch lächend und freudig beim Abschied hinterher.

Mein nächsten Ziel lag mit 4,5 Stunden Fahrzeit und ca. 140 Kilometern von Maralal entfernt. Die Fahrt ging über Kisima, Lodungokwe und Wamba nach Archer’s Post zum Umoja Campsite von Rebecca Lolosoli, die Betreiberin des Camps und Begründerin des Umoja Frauendorfes. Sie erzählte mir, dass der Preis für einen Zeltplatz genauso teuer wäre, wie für eine Banda (Bungalow). Natürlich nahm ich eine Banda und eine weitere für Anthony und Siri mit Einstrahldusche und WC. Leider war alles schon sehr heruntergekommen oder renovierungsbedürftig. Für den Besuch der Manyattas hier bei Archers Post/Umoja braucht man einen Guide, der sich dann auch fürstlich entlohnen lässt. Mein Guide Mohammed und mein Fahrer Siri fuhren mit mir am Spätnachmittag zu der Touristen-Manyatta von Elder Namayana. Dort wurden wir von Lobiky Gabriel Lekopiro (39 Jahre alt) empfangen und ich musste sofort einen erheblichen Eintrittspreis bezahlen. Es empfiehlt sich grundsätzlich bei solchen Besuchen von Touristen-Manyattas kräftig und energisch zu verhandeln. In diesem Dorf leben 20 Familien mit ca. 160 Dorfbewohnern (darunter 40 Morans). Lobiky hat nur 1 Frau und 6 Kinder.
Rhytmischer Samburu Frauengesang mischt sich mit dem taktvollen Klatschen ihrer Hände zu meiner Begrüßung und die jüngste Tochter von Gabriel, namens Nasieku, lud mich zur Dorfbesichtigung ein. Die „angeblichen Morans“ zeigten auch hier einen Krieger-/Löwentanz und mit den Frauen einen Liebestanz. In der Manyatta wurden mir dann teilweise die Dorfbewohner und Ältesten vorgestellt und ich konnte ein paar schöne farbenfrohe Photos machen. Es gab aber überhaupt keine Alltagsarbeiten der hier lebenden Samburus in irgendeiner Art und Weise zu sehen. Und dann kam das, was kommen musste. Die letzte Station des Dorfes, die Verkaufsplätze für Touristen. Auf dem Boden lag überall handgemachter traditioneller Perlenschmuck in allen Formen und Farben, sowie einfach geschnitzte Holzfiguren. Man wird von allen Seiten gedrängt etwas zu horrenden Preisen zu kaufen. Als wir die Manyatta verlassen hatten, kamen schon die nächsten Guides mit Touristinnen und diese zahlten auch ihre Eintrittsgebühren. Diese für Touristen vorzeigbaren Manyattas sind mit Vorsicht zu genießen, denn sie sind eine Geldeinnahmemaschine, obwohl es evtl. auch einen sozialen Hintergrund geben könnte. Letztendlich aber hatte ich den Eindruck, dass das gesamte Umoja-Gebiet eine Touristenfalle ist und man es besser meiden sollte. Aus diesem Grunde habe ich dann dort auch keine weiteren Dörfer mehr besucht, auch nicht das bekannte Umoja-Frauendorf.

Kenia/Samburu: Nach Ausweisung folgt Gewalt an indigenem Volk
Kenia/Samburu: Deutscher Reiseverband verurteilt Vertreibung der Samburu

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 Das Samburu-Nationalreservat

Mein letzter Tag im Samburu County gehört dem Samburu-Nationalreservat und seiner Tierwelt. Siri, mein Fahrer, fährt durch das östliche Eingangstor des Reservates, genannt Archers Gate und öffnet für mich das Fahrzeugdach. Ab hier sind wir auf einer relativ guten Schotterpiste unterwegs oder fahren auf kleinen Wegen durch die trockene Savannenlandschaft. Da ich nur ein Zoom bis 200 mm Brennweite habe, bin ich einmal gespannt, wie nah ich die Tiere vor meine Linse bekomme. Der 165 km² große Nationalpark liegt auf ca. 800 bis 1000 m Höhe im Tal des Ostafrikanischen Grabenbruchs (Great Rift Valley) in Nachbarschaft des Buffalo Springs Reserve in einer halbwüstenartigen wilden Landschaft mit felsigen Hügeln, weiten Grassavannen, Akazienbäumen und Trockenbüschen. Die Lebensader des Parks ist der Uasu Nyeru Fluss, der in der Sprache der hier beheimateten Samburu „Fluss mit braunem Wasser“ bedeutet. Hier kann man Begegnungen der besonderen Art hautnah mit der Tierwelt erleben. An seinen schmalen Streifen Galeriewald aus seltenen Doumpalmen (die man an den verzweigten Stämmen erkennt), Schirmakazien und Tamarindenbäumen versammeln sich viele Tiere in der Trockenzeit. Der Park ist Lebensraum für große Elefantenherden, seltene Grevy Zebras und Netzgiraffen, Beisa Orix-Antilopen, Grant-Gazellen, Gerenuk (Giraffen-Halsgazellen), Löwen, Geparden, Nilkrokodilen und weiteren Tierarten. Er strahlt eine Ruhe und Zeitlosigkeit aus, als habe sich hier in den letzten Jahren kaum etwas verändert und die Tiere lassen sich von den Safari-Fahrzeugen kaum stören. Am Abend in der Lodge erlebe ich dann die faszinierende Atmosphäre Afrikas hautnah — einen wunderschönen Sonnenuntergang begleitet von den geheimnisvollen Geräuschen und Alarmrufen der Tierwelt.

Eintrittspreis pro Person und Tag  –  70,- US-Dollar.

Parade der Kulturen in Frankfurt am Main

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Das Leben ist so bunt… so bunt wie die „Parade der Kulturen“.

Alle zwei Jahre findet in Frankfurt am Main die „Parade der Kulturen“ statt. Sie zeigt die große Internationalität und kulturelle Vielfalt Frankfurts und Deutschlands in einem farbenfrohen Umzug, Musikveranstaltungen und einem Markt der Kulturen mit Essens- und Kunsthandwerkerständen. Der Veranstalter, der Frankfurter Jugendring (FJR), will damit ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit und für ein friedliches, respektvolles Miteinander der Kulturen setzen. Menschen aus allen Kontinenten und quer durch alle Generationen zeigen ihre Kultur und Traditionen.

Mit diesen Photos der „Parade der Kulturen“ möchte ich die besonderen Momente des Zusammenspiels von Emotionen, Farben, Musik, Schönheit und Stolz der Teilnehmer zeigen.

Venedig – die schöne Stille im Winter

Venedig Cannaregio Fondamenta De Ca Vendramin WWW_01

 

Gelandet auf Venedigs kleinem Flughafen Marco Polo und gleich in der Ankunftshalle ein Ticket Linea Arancio (Linie Orange) der Bootslinie Alilaguna gekauft. Nun geht es mit noch anderen Touristen etwa 10 Minuten entlang eines überdachten Fußweges zum Bootsanleger. Das Hybrid-Boot der orangenen Linie schwankt im Schritttempo mit 7 km/h durch den ausgewiesenen Kanal in Richtung Venedig. Im Schiffsbauch sitzen wir gegenüber wie im Wartezimmer einer Arztpraxis. In der Mitte des Bootsrumpfes stapelt sich das Handgepäck, oben beim Einstieg stehen unsere Koffer. Alle schauen nun ganz aufgeregt und interessiert durch die schmalen Bootsfenster in Richtung der Lagunenstadt. Die Kameras werden gezückt und ein Photo nach dem anderen von der in der Ferne liegenden Silhouette Venedigs ab-gelichtet. „Venedig sehen und sterben“ meinte Thomans Mann – belassen wir es doch lieber beim Sehen, Flanieren, Erleben und Genießen.

Die schöne Stille im Winter – die Winter-Melancholie gibt der Stadt ein ganz anderes Gesicht als der Rummel des Sommers mit den vielen Touristenströmen. Das mattierende Licht dieser Jahreszeit bei bedecktem Himmel entsättigt etwas die Farben der alten Paläste oder lässt sie in der weichen Wintersonne noch farbiger und intensiver erscheinen. Diese Stadt ist einzigartig, denn wo sonst gibt es Gondeln statt Autos oder Kanäle statt Straßen und natürlich die Biennale, den weltberühmten Karneval und das Acqua alta (Hochwasser). Kein Auto, kein Bus, kein Motorrad, kein Fahrrad, kein Hupen, kein Bremsen – nur das Rauschen der Wellen in den Kanälen, das Knattern der Schiffsmotoren, das Läuten der vielen Kirchenglocken, der Schrei der Möwen, die Musik aus den Fenstern, das Parlare/Reden der Einwohner und ab und an das Singen der Gondolieri. Und nicht zu vergessen, Venedig ist die Lieblingskulisse der Liebenden.

Venedig ist eine Stadt der Künstler, der Geschichten, der Kanäle und der Palazzi mit morbidem Charme – der melancholische Charme des Zerfalls. Aber vor allem reich an unverhofften Winkeln, verwunschenen Gassen und Plätzen, die immer wieder Verzückung und Erstaunen hervorrufen. Es reichen ein paar Schritte weg von den ausgetretenen Touristenpfaden und man kommt in eine ganz andere Welt. Die Route durch Venedig heisst Zufall und ohne Ziel. Besonders schön auch die magische Ruhe des Abends und der Nacht an den Kanälen zu spüren oder ein Acqua alta mitzuerleben. Im letzten Schimmer des Tages zeigt Venedig sein Traumgesicht. Das Wasser der Kanäle reflektiert und spiegelt die Lichter, Kirchen, Paläste und Brücken. Und dann die farbenprächtige und lebhafte Wasserstraße – der Canal Grande. Er durchzieht den Stadtkern S-förmig in einer Länge von fast 4 Kilometern und ist die logistische Schlagader der Stadt. Anders als in den Seitenkanälen herrscht auf dem Canal Grande den ganzen Tag Hochbetrieb. Gondeln dümpeln mit Touristen vorbei, Vaporetti schippern von Haltestelle zu Haltestelle, Alilaguna-Boote vom oder zum Flughafen voll mit Touristen und dazwischen tuckern Lastkähne. An beiden Ufern des Canal Grande die vielen schönen Palazzi. Welchen Aufwand es macht, diese auf Holzpfählen errichteten Gebäude zu erhalten, verrät die rückseitige Ansicht. Einige Paläste verdanken ihre Standhaftigkeit nur noch dem Nachbarpalazzo, an den sie sich noch anlehnen können. Die Venezianer leben wie in einem Freilichtmuseum – zwischen Alltag, Pracht und Kommerz. Was hat die Zeit Venedig gebracht? Bäckereien, Metzgereien oder Buchhandlungen wurden in Nobelboutiquen oder chinesische Touristengeschäfte verwandelt oder in Pizzabuden mit ausländischen Bediensteten. Der venezianische Alltag verschwindet immer mehr. Natürlich lebt in Venedig alles vom Tourismus, er ist Fluch und Segen dieser Stadt. Unterhält man sich mit den Venezianern, dann hört man immer wieder: Wir leben wie in einem Altersheim, die jungen Leute ziehen weg und die Alten bleiben mit den Touristen hier. Die Altstadt blutet langsam aus. Das Besondere aber ist dabei, dass wir hier gut funktionierende Nachbarschaftsbeziehungen haben und im Winter Venedig wieder mit Ruhe zu sich selbst findet.

Entlang der Kanäle kann man sich treiben lassen und dabei unzählige Kaffeebars und Bacari (typische Weinlokale) sehen. Für einen Cappucchino, Espresso, Macchiatone, Ristretto, Sprizz oder Wein findet man hier immer Zeit. Empfehlenswert ist das Antica Torrefazione di Caffè in Cannaregio. Für einen Kaffee im Stehen zwischendurch die optimale Adresse. Und wer bei oder nach einer Erkundungstour eine Kleinigkeit essen möchte, der sollte in einem Bacaro bei einem Glas Wein oder Sprizz ein paar Cicchetti – eine Art italienische Tapas – essen. Die besten Cicchetti gibt es in Dorsoduro in der Cantine del Vino Gia Schiavi oder der Osteria Al Squero. Je mehr Cicchetti man käuft, um so billiger je Stück werden sie – auf die Preistafeln achten! Beide Weinlokale liegen an der Fondamenta Nani und am Rio de S. Trovaso.
Buon appetito – Essen sollte man in Venedig abseits der Hauptrouten in Restaurants, in denen die Venezianer selbst zum Essen gehen. Hier bestimmt oft das tägliche Angebot auf dem Gemüse- bzw. Fischmarkt die Speisekarte, falls es überhaupt eine Speisekarte gibt. Einfach überraschen lassen und geniessen wie bei der einfachen kleinen Trattoria Bertolini Marialuisa (ehemals Da Marisa). Hier kocht die Familiencrew täglich frisch immer nur ein bodenständiges venezianisches Menü und es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Dazu gibt es einen halben Liter Weisswein, eine Flasche Wasser und am Menüende einen Espresso. Das Fischmenü besteht z.B. aus den Antipasti: zerkleinerter Stockfisch mit Polenta, Carpaccio von mariniertem Seebarsch auf Rucola, gegrillte kleine Moschuskragen in Tomatensugo und gefüllte gratinierte Miesmuscheln. Der Primo Piatto: Fischlasagne aus drei verschiedenen Fischsorten. Der Secondo Piatto: frittierte Calamari, Gambas und Stockfisch. Das Dessert: Mandel-Likör-Mascarpone mit Amarettini. Das ganze Menü mit Getränken für 35,- € pro Person. Es empfiehlt sich frühzeitig einen Tisch zu reservieren.

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