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Das Naturschutzgebiet Taubergießen – ein mystisches Paradies

Eine Kahnfahrt wie in Venedig durch einen Fluss-Seitenarm wie am Amazonas. Eine Reise in die Natur mit immer anderen Blickwinkeln.

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Der Taubergießen wird von zahlreichen Flussarmen durchzogen und ist einer der letzten naturnahen und weitgehend erhalten gebliebenen Auwaldgebiete am Europapark Rust in Baden-Württemberg. Dazu gehören auch noch die Elzwiesen der Blinden Elz mit ihrer Artenvielfalt, in denen auch noch seltene Orchideen wachsen. Deshalb wird der Taubergießen auch gerne als „Amazonas am Oberrhein“ bezeichnet. Den Namen „Taubergießen“ hat diese Landschaft von den zeitweise starken Grundwasseraustritten/Quellen, den „Gießen“. „Taub” geht auf eine alte Bezeichnung von Fischern für ein nähr- und sauerstoffarmes Gewässer zurück.
Das Naturschutzgebiet, das im Süden mit Rheinhausen beginnt und im Norden bis Wittenweier geht, wurde 1955 unter Landschaftsschutz gestellt und 1979 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es handelt sich dabei um das alte Rheinflussbett, wie es vor seiner Begradigung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aussah. Von der Vogelperspektive aus betrachtet, zieht sich der Taubergießen wie ein Schlauch 12 Kilometer am Oberrhein entlang. Die breiteste Stelle beträgt ca. 2,5 Kilometer. Es umfasst auf einer Fläche von ca. 1697 Hektar die rheinnahen Gemeinden Rheinhausen, Rust, Kappel, Wittenweier und die französische Gemeinde Rhinau. Aus historischen Gründen befinden sich 997 Hektar im Besitz der französischen Gemeinde Rhinau, jedoch unterliegt dieser Teil dem deutschen Fischereirecht sowie Jagd- und Naturschutz. Ein Bereich des Auwaldes wurde als Bannwald ausgewiesen, in diesem Bereich entwickelt sich ohne menschliche Ordnung wieder ein heimischer Urwald. Der Rest ist ein Schonwaldgebiet mit wirtschaftlicher Nutzung.

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Mein ortskundiger Reisebegleiter war Fischermeister Felix Sigg. Seit mehr als 45 Jahren Fischer und Stocherkahnfahrer in diesem Naturparadies. Felix Sigg ist einer der letzten beiden Fischermeister von Rust. Ein Fischer mit Leib und Seele mit großer Leidenschaft für die Natur. Sowohl die Fischerei als auch die Stocherkahnfahrten haben in seiner Familie eine lange Tradition. Urgroßvater, Opa und Vater waren schon Fischermeister mit eigenem Pachtwasser am Rhein. Erst arbeitete er im landwirtschaftlichen Betrieb (Gurken und Tabakanbau) seiner Eltern bevor er 1972 als Fischergehilfe tätig wurde. Er ist dort geboren und tief verbunden mit dieser einzigartigen Rheinlandschaft und würde mit keinem anderen Ort tauschen wollen.
Am Abend vor meiner Anreise hatte er seine Netze in den Altrheinarmen ausgelegt, damit er am nächsten Morgen mit mir seinen Fang einholen konnte. Barsche, Brassen, Rotfedern, Schleien, Zander und verschiedene Weißfische gingen in die Netze mit verschiedenen Maschenweiten. Kamberkrebse wurden wieder in das Wasser zurück geworfen. Viele Erklärungen und Aussagen bekam ich dabei von ihm zu hören: „Früher haben wir viel mehr Fische gefangen als heute. Das größte Problem ist der Kormoran und der Wels. Beide fressen sehr viele Fische weg und der Wels kann sogar junge Enten und Schwäne schnappen. Unsere Hauptfischerei/Brotfisch war der Aal, damit konnten wir große Fangquoten und Gewinne erzielen. Leider ist die Aalfischerei jetzt verboten. Heute weiß man nie, wie viel man fängt. Es können 60 kg sein oder auch einmal nichts, davon alleine kann man nicht mehr seinen Lebensunterhalt bestreiten. Aber mich freut es immer wieder und ich bin glücklich, wenn es ein bisschen im Netz zappelt“.
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Gemeinde Rust ein Fischer- und Bauerndorf. Die Lage am Rhein und die fruchtbaren Schwemmlandböden boten den Fischern und Landwirten eine gute Existenzgrundlage. Die Fischer gründeten die Fischerzunft 1583 Rust, um sich die Fischrechte in Rust und Umgebung zu sichern. Nur die Söhne eines Mitgliedes werden im Alter von 21 Jahren in die Zunft aufgenommen und das Fischrecht wird nur vom Vater an den männlichen Nachkommen weitervererbt. Durch diese Regelung bleibt das Fischrecht im Besitz weniger Familien im Taubergießen – so auch bei der Familie von Felix Sigg.

Felix Sigg rudert mich mittags mit seinem Stocherkahnboot durch das Naturschutzgebiet Taubergießen! Zwei Stunden Ruhe genießen in einer außergewöhnlichen Natur und es gibt noch viele Beschreibungen, Erklärungen und Witzle von ihm dazu. Über die Fischerei, die bewegte Geschichte an der Grenze von Deutschland und Frankreich und sein Wissen über die Natur. Er erzählt mir dabei auch, dass manche Gäste die völlige Ruhe bevorzugen und keine Erklärungen wünschen. Das kann ich gut verstehen – in der Ruhe liegt die Kraft und das Entschleunigen vom Alltagstrott. Schweben über dem Wasser und dabei auch einmal die Augen schließen und dem Rauschen des Wassers und den Geräuschen der Tierwelt zuhören. Der langsam dahin fließende Fluss, das klare Wasser, die vielen Pflanzen wie der Flutende Wasserhahnenfuß oder die geschmacklich starke Brunnenkresse, sowie farbenprächtige Libellen und Schwäne begleiten uns. Mächtige Bäume mit Lianengirlanden wie Eichen, Silberpappeln, Silberweiden und Ulmen wachsen am Flussbett und bilden schöne Baumgalerien. Mit Glück kann man den Eisvogel sehen, aber sicherlich die verschiedenen Entenarten, Kormorane, Graugänse, Nilgänse, Graureiher, Silberreiher, Seidenreiher und Bisamratten. Für viele Vögel ist das Gebiet Winterquartier, aber auch Rastplatz für durchziehende Zugvögel.

Alles in Allem ein traumhafter Abstecher in eine andere Welt, begleitet von einem Fischer mit Leidenschaft, in einer magischen Auenlandschaft im Paradies Taubergießen.

Weitere PHOTOS folgen bald…

Durch den Europapark hat sich mittlerweile die ganze Gemeindestruktur und das soziale Leben hier verändert. Mehr als 5,5 Millionen Besucher pro Jahr, damit verbunden Staus und Luftverschmutzung. Den ca. 4200 Einwohnern stehen mehr als 4500 Gästebetten entgegen. Es gibt kaum noch bezahlbare Mietwohnungen, dafür mehr lohnende Ferienwohnungen. Das fördert zwar die Steuereinnahmen der Gemeinde und im Ort wird viel investiert, aber das soziale Miteinander geht verloren. Die Gaststätten öffnen nur noch nach 17 Uhr, dann kommen die vielen Besucher aus dem Park und manche frequentieren dann die ansässigen Gaststätten. Mittagessen, Kaffee und Stammtische gehen der Dorfgemeinschaft aber verloren.

INFO:
Vorsicht besteht bei den angegebenen Rundwanderwegen. Manche Brücken existieren nicht mehr oder sind beschädigt und man steht plötzlich am Wasser ohne einer Möglichkeit der Überquerung. Das hat wohl schon bei einigen Wanderern dazu geführt, dass sie sich total verlaufen haben und Hilfe brauchten.
Familie Sigg bietet Stocherkahnfahrten ab der Zuckerbrücke bei Rust bis zur Gifizbrücke bei Kappel für max. 10 Personen im Boot an. Da der Taubergießen nur stromabwärts befahren werden darf, besteht die Möglichkeit zur Rückfahrt für max. 2 Personen.

Rhoihesse – Rheinhessen

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In loser Aufreihung stelle ich immer wieder neue Photos über meine Heimat Rheinhessen hier zusammen. Mit dem Pajero Geländewagen und Canon-Photoequipment durch die Schönheit Rheinhessens. Vorbei an Bächen und Flüssen, durch malerische Landschaften mit sanft geschwungenen Hügeln und den vielen Weinbergen mit ihren „Wingertsheisjern“ – Trulli/Schutzhütten. Vorbei an Dörfern mit Fachwerkidylle und Hofreiten mit überraschenden Einblicken durch Hoftore oder hinein in die vielen kleinen Feldwege, die links und rechts von landwirtschaftlich genutzten Feldern, Weinstöcken oder Wiesen umgeben sind. Genießen Sie beim Anblick meiner Photos auch den weiten Blick über das Land der tausend Hügel bis zum Horizont – diese Ausblicke prägen die „Rheinhessische Toskana oder Rheinhessische Schweiz“.

Heimat ist für mich ein Land, das meine Kind- und Jugendjahre geprägt hat. Heimat ist auch ein Land, das mir die Möglichkeit gegeben hat mich als die Persönlichkeit zu entfalten, die ich heute bin. Heimat ist auch ein Land, das mich aus der Ferne nach Hause zieht.

Rheinhessen ist eine Region in Rheinland-Pfalz am oberen Rheinknie im Oberrheingraben, dessen Name auf die frühere Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen und bis 1945 zum Volksstaat Hessen zurückzuführen ist. Im Volksmund damals auch bekannt als „Hessen über dem Rhein“. Es liegt zwischen der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz und den Städten Bingen, Ingelheim, Alzey und Worms. Hier leben ca. 600.000 Menschen auf rund 1400 km². Eingerahmt von Nordpfälzer Bergland, Hunsrück, Rheingau, Taunus und Odenwald gehört Rheinhessen zu den wärmsten und trockensten Gegenden in Deutschland. Genau dieses geschützte Klima ist die ideale Basis für den Weinanbau und der Grund dafür, dass Rheinhessen mit 26.563 Hektar Rebfläche das größte Deutsche Weinanbaugebiet ist. Es ist auch stark landwirtschaftlich geprägt mit dem Anbau von Obst (Kirschen/Äpfel), Kartoffeln, Spargel, Getreide, außerdem auch Raps und vor allem Zuckerrüben.
„Rhoihessisch Gebabbel“ – der rheinhessische Dialekt gehört zu den rheinfränkischen Dialekten und ist mit dem Südhessischen verwandt. Besonders bekanntes Gebabbel sind „Mer strunze nett, mer hunn“ – „Wir prahlen nicht, wir haben“, „Rhoihessewoi werd net alt, mer dringe in ob warm ob kalt“ – „Rheinhessenwein wird nicht alt, wir trinken ihn, ob warm, ob kalt“ und „Ei du Simbl“ – „Ach, Du dummer Junge“. Eine Kulturlandschaft mit kirchlichen Bauten (romanische Kaiserdome von Mainz und Worms), alten Kreuzgewölben, Kunst (Marc Chagall Fenster/Stephanskirche Mainz), Festspielen (Worms), Konzerten, Kleinkunstbühnen (Mainz), Museen (Gutenberg), Sport (Mainz 05) und der bekannten Mainzer Fastnacht mit Weck, Worscht un Woi und natürlich mit der leckeren Rheinhessischen Küche (Backesgrumbeer, Dibbehas, Dibbelabbes, Grumbeersupp, Kräppel, Määnzer Handkees mit Musik, Quetschekuche, Määnzer Fleischworscht, Jambon de Mayence/Schinken, Spundekees mit Zwiwwele) und immer dazu ein Piffche Woi. Natürlich leben hier auch ganz besondere Menschen – vital und mit vollem Spass am Leben und Feiern, manchmal konservativ und dann doch wieder ganz modern, traditionell, vielfältig, red- und weinseelig und wie man so schön sagt – nicht auf den Mund gefallen. „Von de Lung uff die Zung un ohne Ferz“ – (Hildegard Bachmann). Wo immer man mit den Menschen hier in Kontakt kommt, ob zu Weinfesten, der Fastnachtszeit oder auf Jahrmärkten – die Gastfreundschaft der närrisch fröhlichen Rheinhessen ist schon sprichwörtlich. Bekannte Persönlichkeiten aus Rheinhessen sind z.B. Anna Seghers, Carl Zuckmayer, Hildegard von Bingen und Johannes Gutenberg.

 

Kenia – Das Volk der Samburu und das Samburu-Nationalreservat

Es gibt wohl kaum eine authentischere und intensivere Kenia-Erfahrung, als mit Fahrer, Koch, Zelt und Allrad-Jeep durch dieses Land abseits der üblichen Touristenpfade zu reisen und die indigene Bevölkerung der Samburus kennen zu lernen. Diese Nähe öffnet den Zugang zur Seele eines Volkes und wir begegnen den Menschen besonders intensiv. Auch habe ich einen Hang zu Reisen, bei denen man(n) so tun kann, als sei man(n) ein großer Abenteurer – ohne dass ich wirklich einer bin. Mein Dreamteam – Fahrer Siri (Silvanus Mosse), 35 Jahre alt vom Volk der Kisii und mein Koch Thony (Anthony Nyamay), 46 Jahre alt vom Volk der Kamba.

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Die Fahrt in das Samburu Stammesgebiet

Nairobi ist eine typische afrikanische Metropole, zumindest das, was ich auf der Fahrt vom Flughafen zu meinem Hotel für eine Übernachtung und auf der Rückfahrt aus dem Samburu County zum Flughafen gesehen habe. Abgase, Lärm, Staub, Staus und Slums waren meine Begleiter durch diese Stadt. Sicherlich gibt es aber auch sehr viele reizvolle und spannende Seiten dieser Großstadt, nur blieb mir dafür keine Zeit.

Kurz vor 9:30 Uhr kam mein Fahrer Siri zum Hotel mit einem etwas abgefahrenen Jeep – ein Toyota Landcruiser Baujahr ca. 2000. Das Abenteuer konnte nun beginnen und der Landcruiser erwies sich dabei als sehr zuverlässig und genau richtig für diese Tour. Also nichts wie raus aus Nairobi. Wir konnten gleich ausserhalb Nairobis für 15000 KES (ca. 120,- €) tanken und eine neue Gasflasche zum Kochen kaufen. Es ist sehr erstaunlich, wie viele unterschiedliche Landschaften Kenia auf den ersten 160 Kilometern zu bieten hatte. Aus der grauen Stadt Nairobi durch einen Wald mit Nadelbäumen, dann das trockene Great Rift Valley und urplötzlich grüne Landstriche mit viel Landwirtschaft. Treffpunkt mit meinem Koch Thony war der Einkaufsmarkt im Ort Naivasha. Dort kauften wir zwei Einkaufswagen voll mit frischen Lebensmitteln und Grundnahrungsmitteln, auch 2x 20 Liter große Trink- und Kochwasserkanister. Der Kassierer und vier weitere Marktangestellte turnten um uns herum und verpackten und verschnürten unsere Einkäufe in Kartons und Tüten. Zu guter Letzt trugen sie alle inklusive der Markt-Security die verpackten Lebensmittel zu unserem Jeep. Das Ganze erregte ein großes Aufsehen und wir hatten eifrig damit zu tun, das Ganze im Jeep zu verstauen. Die Fahrt in das Samburu County (2 Tage) ging über die Orte Gilgil, Ol Kalou nach Nyahururu zu den Thomson Falls (ca. 160 km). Weiter über Rumuruti, Kinamba, Mugie, Sukuta Lol Marmar, Kisima nach Maralal (ca. 170 km).

Wie die Massai sind die Samburu auch ein Kämpfer- und Nomadenvolk. Sie haben sich ihre authentische Kultur dadurch erhalten, dass sie an ihren von den ältesten Stammesführern überlieferten Traditionen festhalten und neue modernere Lebensweisen meist ablehnen. Wie viele andere traditionelle Stämme Afrikas, stehen auch die Samburu unter dem Druck ihrer Regierung, um sich in festen vorbestimmten Dörfern niederzulassen. Die Hauptnahrung der Samburu ist neben Mais auch die Milch und das Blut ihrer Tiere. Sie schlachten ihr Vieh aber nicht, sondern ritzen nur die Venen an und versorgen die Wunde danach sofort mit heißer Asche. In den letzten Jahren haben sie allerdings begonnen, auch wegen den Dürreperioden, sich von ihrer rein nomadischen Lebensweise zu trennen und sich auch dem Ackerbau an feststehenden Manyattas zu zuwenden. Normalerweise leben zwischen 5 und 10 Familien in einer Manyatta/Dorf zusammen. Jede Familie hat ihre eigene Hütte, die der Frau gehört. Hat ein Mann mehrere Frauen, so hat jede Frau für sich und ihre Kinder eine eigene Hütte. Die transportablen Hütten sind von einem Wall aus trockenen Dornbüschen und Totholz umgeben, der verhindert, dass umherstreifende Tiere oder Viehdiebe in das Dorf kommen können. Ein weiterer kleinerer Dornenwall in der Mitte der Manyatta umgibt den Platz der Beratung, die Ältestenversammlung. Mittlerweile dient er auch in vielen Dörfern nachts als Viehgehege. Dazwischen liegen die länglichen Hütten gebaut aus Holzstangen mit Lehm- und Kuhdungwänden. Zur Abdeckung werden Häute, Grasmatten und in der Regenzeit Kunststoffplanen benutzt.
Ein ganz wichtiger sozialer Aspekt in ihrer Kultur ist die Achtung der Ältesten und dem Elder (Ältester als Stammesführer). Je älter ein Mann wird, desto mehr Macht und Respekt erlangt er. Jede Altersstufe bekommt außerdem spezifische Aufgaben zugeteilt. Kinder (Layeni, bis ca. 12 Jahre), kümmern sich um die Ziegen, Schafe und deren Milch. Beschnittene junge Männer, die zur Altersklasse der Krieger (Moran, ca. 12-19 Jahre) gehören, bewachen die Rinderherden, gehen auf Jagd und beschützen den Clan. Verheiratete Männer regeln die Probleme der Gemeinschaft und tragen Verantwortung für den Clan. Die Frauen sind für die Hütten, Kindererziehung, die Milchkühe, das Kochen und auch für das Sammeln von Holz und Wasser verantwortlich. Männer haben meist mehrere Frauen und leben in Polygamie. Das Prestige eines Mannes ergibt sich aus der Anzahl seiner Rinder und Frauen. Die Mädchen helfen schon früh ihren Müttern bei der Hausarbeit und werden schon ab dem Alter von ca. 12 Jahren an fremde Männer eines anderen Clans verheiratet. Bei der eigentlichen Hochzeitszeremonie wird an den Frauen teilweise immer noch eine Genitalverstümmelung praktiziert. Bei den Jugendlichen im Alter zwischen 7 bis 15 Jahren erlaubt die Einweihungszeremonie den Eintritt in die Männerwelt und wird meist durch die Beschneidung der Vorhaut begleitet. Männer wie Frauen tragen traditionell ihre farbenfrohen Shukas. Lange Tücher, die lose um den Körper gewickelt werden oder als Schultertücher dienen. Frauen haben zahlreiche Halsketten aus Perlen, Ohrringe und Armbänder. Oft ist ihr Kopf auch mit einem kreuzförmigen Stirnschmuck verziert. Er ist ein Zeichen dafür, dass die Frau noch unverheiratet ist. Mädchen tragen schon ganz früh einzelne handgefertigte Perlenschnüre um den Hals, die sie von den jungen Moran geschenkt bekommen und die im Laufe der Zeit zu dicken Kragen heranwachsen. Der Perlenschmuck hat eine traditionelle Bewandtnis. Sie sind Geschenke von jungen Samburu-Kriegern. Die Moran dürfen dafür mit den minderjährigen Mädchen Sex haben, wann immer sie wollen. Ihre Religion konzentriert sich auf ihren höchsten Gott Nkai , die Quelle jeglichen Schutzes vor Gefahren und viele rituelle Wahrsager oder Schamanen.

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Es ist ein wirklich traumhaft schöner Morgen im Samburugebiet und die aufgehende Sonne taucht die sattgrüne Savannenlandschaft in ein wunderbar warmes und intensives Licht. Durch das offene Fenster des Toyota Landcruisers weht der kühle, frische Duft der Umgebung herein. Wir sind auf dem Weg zu den Tamiyioi Manyattas. Außer unserem Fahrzeug ist kein weiteres in den Karisia Hills/Ngari Hills (ca. 2500 m hoch) zu sehen und weitab von Zuhause fühle ich mich wirklich, wie in einer anderen Welt. Erwartungsvoll und ungeduldig schweift mein Blick über die näher kommende Hügelkette. Zebras weiden abseits des kaum sichtbaren Weges und Samburu Frauen kommen uns mit leeren Wasserkanistern oder Malas (Milchgefäße) entgegen. Sie sind auf dem Weg zum Einkaufen nach Maralal. Die ersten Samburu Morans (Krieger) erscheinen in der Ferne mit ihren Viehherden. Schon vom weiten sieht man ihre roten, gestreiften oder mit Karos versehenen Shukas (Tücher). Sie winken uns freudig zu, noch eine Bergkuppe und wir erreichen die zwei feststehenden nicht mehr ganz so traditionellen Manyattas von Elder Samy Lekume (Stammesältester, 46 Jahre alt). Er lädt uns sofort in seine Manyatta ein, stellt seine Familie vor und zeigt uns die Umgebung. Hierbei erfahre ich, dass Samy 3 Brüder, 2 Frauen und 13 Kinder hat. Seine Hauptmanyatta aus 3 Häusern besteht aus – die seiner beiden Frauen (Big Wife und Small Wife) und seinem eigenen Haus. Dazu kommen noch mehrere Viehgehege für junge Ziegen und Kälber. Er hat sogar einen kleinen Hühnerstall, Hühner und Eier sind aber lediglich für den Verkauf gedacht. In den nächsten Tagen hatte ich das Glück, das mir die 12 Morans (Krieger) der Manyattas und mehrere Samburu Frauen nicht für Touristen übliche Darbietungen, sondern nur für mich ihre traditionellen Lebensweisen, Tänze und Riten gezeigt haben. In den Krieger- und Liebestänzen demonstrierten sie dabei ihren Stolz und ihre Stärke. Erfahrungsreiche und intensive Tage in dieser Manyatta werden noch lange in mir nachwirken.

Meine zweite besuchte Manyatta lag ca. 3 km zu Fuß von der Landstrasse C77 bei Maralal landeinwärts. Siri und ein kurzfristig engagierter Führer namens Ernest gingen mit mir bergauf durch eine wunderschöne Landschaft zu der einfachen Manyatta von Elder Lekalasimi. Seine Gelassenheit, Ruhe und Unbeweglichkeit ließ nur schwer erahnen, wie alt er war. Er hatte jedenfalls drei Frauen unterschiedlichsten Alters und fünfzehn Kinder. Die Frauen und fünf seiner Kinder waren in der Manyatta anwesend. Sie freuten sich über unseren Besuch und lächelten mich immer wieder freudig an. Ernest übersetzte für mich meine Fragen und so konnten wir miteinander kommunizieren. Die Big Mama der Manyatta lud mich dann in ihre Hütte ein und zeigte mir ihre einfache Einrichtung. Ein Bretterbett abgetrennt mit runden dünnen Baumstämmen vom Innenraum mit Einstieg und bedeckt mit dünnen Kuh- und Ziegenfellen, ein schmales einfaches Holzregal, eine fest eingebaute Holzbank über die gesamte Breite der Hütte, Metallkochtöpfe und Milchgefäße (Mala oder Calamash) und eine im Boden mit Steinen umfasste Kochmulde für das Holzfeuer. Mir wurde noch erklärt, wie die Milchgefäße benutzt und wie sie mit der brennenden Rinde des Thamayo Baumes gereinigt werden. Diese Hütte der Big Mama darf ihr Ehemann nicht betreten, das verlangt die traditionelle Kultur der Samburus. Die Familie hatte zum Leben Hühner, Kühe, Ziegen und ausserhalb ein paar große Mais- und Gemüsefelder. Irgendwie hatte ich wieder einmal den Eindruck, dass die Menschen hier viel glücklicher und zufriedener sind, auch wenn sie kaum etwas besitzen. Als Dankeschön für ihre Gastfreundschaft bezahlte ich noch ein von meinem Führer Ernest ausgehandeltes Geldgeschenk und alle winkten mir noch lächend und freudig beim Abschied hinterher.

Langsam erklimmt die Sonne den afrikanischen Horizont und wie jeden Morgen werde ich durch das Krächzende „Raah“ der zwei Ibisse vor meinem Zelt begrüßt. Mein Abenteuergeist erwacht wieder und vertreibt meine Müdigkeit und Steifheit. Dafür sorgt auch Thony mit dem ersten frisch aufgebrühten Kaffee jeden Morgen. Mein nächsten Ziel lag mit 4,5 Stunden Fahrzeit und ca. 140 Kilometern von Maralal entfernt. Die Fahrt ging über Kisima, Lodungokwe und Wamba nach Archer’s Post zum Umoja Campsite von Rebecca Lolosoli, die Betreiberin des Camps und Begründerin des Umoja Frauendorfes. Sie erzählte mir, dass der Preis für einen Zeltplatz genauso teuer wäre, wie für eine Banda (Bungalow). Natürlich nahm ich eine Banda und eine weitere für Anthony und Siri mit Einstrahldusche und WC. Leider war alles schon sehr heruntergekommen oder renovierungsbedürftig. Für den Besuch der Manyattas hier bei Archers Post/Umoja braucht man einen Guide, der sich dann auch fürstlich entlohnen lässt. Mein Guide Mohammed und mein Fahrer Siri fuhren mit mir am Spätnachmittag zu der Touristen-Manyatta von Elder Namayana. Dort wurden wir von Lobiky Gabriel Lekopiro (39 Jahre alt) empfangen und ich musste sofort einen erheblichen Eintrittspreis bezahlen. Es empfiehlt sich grundsätzlich bei solchen Besuchen von Touristen-Manyattas kräftig und energisch zu verhandeln. In diesem Dorf leben 20 Familien mit ca. 160 Dorfbewohnern (darunter 40 Morans). Lobiky hat nur 1 Frau und 6 Kinder.
Rhytmischer Samburu Frauengesang mischt sich mit dem taktvollen Klatschen ihrer Hände zu meiner Begrüßung und die jüngste Tochter von Gabriel, namens Nasieku, lud mich zur Dorfbesichtigung ein. Die „angeblichen Morans“ zeigten auch hier einen Krieger-/Löwentanz und mit den Frauen einen Liebestanz. In der Manyatta wurden mir dann teilweise die Dorfbewohner und Ältesten vorgestellt und ich konnte ein paar schöne farbenfrohe Photos machen. Es gab aber überhaupt keine Alltagsarbeiten der hier lebenden Samburus in irgendeiner Art und Weise zu sehen. Und dann kam das, was kommen musste. Die letzte Station des Dorfes, die Verkaufsplätze für Touristen. Auf dem Boden lag überall handgemachter traditioneller Perlenschmuck in allen Formen und Farben, sowie einfach geschnitzte Holzfiguren. Man wird von allen Seiten gedrängt etwas zu horrenden Preisen zu kaufen. Als wir die Manyatta verlassen hatten, kamen schon die nächsten Guides mit Touristinnen und diese zahlten auch ihre Eintrittsgebühren. Diese für Touristen vorzeigbaren Manyattas sind mit Vorsicht zu genießen, denn sie sind eine Geldeinnahmemaschine, obwohl es evtl. auch einen sozialen Hintergrund geben könnte. Letztendlich aber hatte ich den Eindruck, dass das gesamte Umoja-Gebiet eine Touristenfalle ist und man es besser meiden sollte. Aus diesem Grunde habe ich dann dort auch keine weiteren Dörfer mehr besucht, auch nicht das bekannte Umoja-Frauendorf.

Kenia/Samburu: Nach Ausweisung folgt Gewalt an indigenem Volk
Kenia/Samburu: Deutscher Reiseverband verurteilt Vertreibung der Samburu

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 Das Samburu-Nationalreservat

Mein letzter Tag im Samburu County gehört dem Samburu-Nationalreservat und seiner Tierwelt. Siri, mein Fahrer, fährt durch das östliche Eingangstor des Reservates, genannt Archers Gate und öffnet für mich das Fahrzeugdach. Ab hier sind wir auf einer relativ guten Schotterpiste unterwegs oder fahren auf kleinen Wegen durch die trockene Savannenlandschaft. Da ich nur ein Zoom bis 200 mm Brennweite habe, bin ich einmal gespannt, wie nah ich die Tiere vor meine Linse bekomme. Der 165 km² große Nationalpark liegt auf ca. 800 bis 1000 m Höhe im Tal des Ostafrikanischen Grabenbruchs (Great Rift Valley) in Nachbarschaft des Buffalo Springs Reserve in einer halbwüstenartigen wilden Landschaft mit felsigen Hügeln, weiten Grassavannen, Akazienbäumen und Trockenbüschen. Die Lebensader des Parks ist der Uasu Nyeru Fluss, der in der Sprache der hier beheimateten Samburu „Fluss mit braunem Wasser“ bedeutet. Hier kann man Begegnungen der besonderen Art hautnah mit der Tierwelt erleben. An seinen schmalen Streifen Galeriewald aus seltenen Doumpalmen (die man an den verzweigten Stämmen erkennt), Schirmakazien und Tamarindenbäumen versammeln sich viele Tiere in der Trockenzeit. Der Park ist Lebensraum für große Elefantenherden, seltene Grevy Zebras und Netzgiraffen, Beisa Orix-Antilopen, Grant-Gazellen, Gerenuk (Giraffen-Halsgazellen), Löwen, Geparden, Nilkrokodilen und weiteren Tierarten. Er strahlt eine Ruhe und Zeitlosigkeit aus, als habe sich hier in den letzten Jahren kaum etwas verändert und die Tiere lassen sich von den Safari-Fahrzeugen kaum stören. Am Abend in der Lodge erlebe ich dann die faszinierende Atmosphäre Afrikas hautnah — einen wunderschönen Sonnenuntergang begleitet von den geheimnisvollen Geräuschen und Alarmrufen der Tierwelt.

Eintrittspreis pro Person und Tag  –  70,- US-Dollar.

Parade der Kulturen in Frankfurt am Main

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Das Leben ist so bunt… so bunt wie die „Parade der Kulturen“.

Alle zwei Jahre findet in Frankfurt am Main die „Parade der Kulturen“ statt. Sie zeigt die große Internationalität und kulturelle Vielfalt Frankfurts und Deutschlands in einem farbenfrohen Umzug, Musikveranstaltungen und einem Markt der Kulturen mit Essens- und Kunsthandwerkerständen. Der Veranstalter, der Frankfurter Jugendring (FJR), will damit ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit und für ein friedliches, respektvolles Miteinander der Kulturen setzen. Menschen aus allen Kontinenten und quer durch alle Generationen zeigen ihre Kultur und Traditionen.

Mit diesen Photos der „Parade der Kulturen“ möchte ich die besonderen Momente des Zusammenspiels von Emotionen, Farben, Musik, Schönheit und Stolz der Teilnehmer zeigen.

Venedig – die schöne Stille im Winter

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Gelandet auf Venedigs kleinem Flughafen Marco Polo und gleich in der Ankunftshalle ein Ticket Linea Arancio (Linie Orange) der Bootslinie Alilaguna gekauft. Nun geht es mit noch anderen Touristen etwa 10 Minuten entlang eines überdachten Fußweges zum Bootsanleger. Das Hybrid-Boot der orangenen Linie schwankt im Schritttempo mit 7 km/h durch den ausgewiesenen Kanal in Richtung Venedig. Im Schiffsbauch sitzen wir gegenüber wie im Wartezimmer einer Arztpraxis. In der Mitte des Bootsrumpfes stapelt sich das Handgepäck, oben beim Einstieg stehen unsere Koffer. Alle schauen nun ganz aufgeregt und interessiert durch die schmalen Bootsfenster in Richtung der Lagunenstadt. Die Kameras werden gezückt und ein Photo nach dem anderen von der in der Ferne liegenden Silhouette Venedigs ab-gelichtet. „Venedig sehen und sterben“ meinte Thomans Mann – belassen wir es doch lieber beim Sehen, Flanieren, Erleben und Genießen.

Die schöne Stille im Winter – die Winter-Melancholie gibt der Stadt ein ganz anderes Gesicht als der Rummel des Sommers mit den vielen Touristenströmen. Das mattierende Licht dieser Jahreszeit bei bedecktem Himmel entsättigt etwas die Farben der alten Paläste oder lässt sie in der weichen Wintersonne noch farbiger und intensiver erscheinen. Diese Stadt ist einzigartig, denn wo sonst gibt es Gondeln statt Autos oder Kanäle statt Straßen und natürlich die Biennale, den weltberühmten Karneval und das Acqua alta (Hochwasser). Kein Auto, kein Bus, kein Motorrad, kein Fahrrad, kein Hupen, kein Bremsen – nur das Rauschen der Wellen in den Kanälen, das Knattern der Schiffsmotoren, das Läuten der vielen Kirchenglocken, der Schrei der Möwen, die Musik aus den Fenstern, das Parlare/Reden der Einwohner und ab und an das Singen der Gondolieri. Und nicht zu vergessen, Venedig ist die Lieblingskulisse der Liebenden.

Venedig ist eine Stadt der Künstler, der Geschichten, der Kanäle und der Palazzi mit morbidem Charme – der melancholische Charme des Zerfalls. Aber vor allem reich an unverhofften Winkeln, verwunschenen Gassen und Plätzen, die immer wieder Verzückung und Erstaunen hervorrufen. Es reichen ein paar Schritte weg von den ausgetretenen Touristenpfaden und man kommt in eine ganz andere Welt. Die Route durch Venedig heisst Zufall und ohne Ziel. Besonders schön auch die magische Ruhe des Abends und der Nacht an den Kanälen zu spüren oder ein Acqua alta mitzuerleben. Im letzten Schimmer des Tages zeigt Venedig sein Traumgesicht. Das Wasser der Kanäle reflektiert und spiegelt die Lichter, Kirchen, Paläste und Brücken. Und dann die farbenprächtige und lebhafte Wasserstraße – der Canal Grande. Er durchzieht den Stadtkern S-förmig in einer Länge von fast 4 Kilometern und ist die logistische Schlagader der Stadt. Anders als in den Seitenkanälen herrscht auf dem Canal Grande den ganzen Tag Hochbetrieb. Gondeln dümpeln mit Touristen vorbei, Vaporetti schippern von Haltestelle zu Haltestelle, Alilaguna-Boote vom oder zum Flughafen voll mit Touristen und dazwischen tuckern Lastkähne. An beiden Ufern des Canal Grande die vielen schönen Palazzi. Welchen Aufwand es macht, diese auf Holzpfählen errichteten Gebäude zu erhalten, verrät die rückseitige Ansicht. Einige Paläste verdanken ihre Standhaftigkeit nur noch dem Nachbarpalazzo, an den sie sich noch anlehnen können. Die Venezianer leben wie in einem Freilichtmuseum – zwischen Alltag, Pracht und Kommerz. Was hat die Zeit Venedig gebracht? Bäckereien, Metzgereien oder Buchhandlungen wurden in Nobelboutiquen oder chinesische Touristengeschäfte verwandelt oder in Pizzabuden mit ausländischen Bediensteten. Der venezianische Alltag verschwindet immer mehr. Natürlich lebt in Venedig alles vom Tourismus, er ist Fluch und Segen dieser Stadt. Unterhält man sich mit den Venezianern, dann hört man immer wieder: Wir leben wie in einem Altersheim, die jungen Leute ziehen weg und die Alten bleiben mit den Touristen hier. Die Altstadt blutet langsam aus. Das Besondere aber ist dabei, dass wir hier gut funktionierende Nachbarschaftsbeziehungen haben und im Winter Venedig wieder mit Ruhe zu sich selbst findet.

Entlang der Kanäle kann man sich treiben lassen und dabei unzählige Kaffeebars und Bacari (typische Weinlokale) sehen. Für einen Cappucchino, Espresso, Macchiatone, Ristretto, Sprizz oder Wein findet man hier immer Zeit. Empfehlenswert ist das Antica Torrefazione di Caffè in Cannaregio. Für einen Kaffee im Stehen zwischendurch die optimale Adresse. Und wer bei oder nach einer Erkundungstour eine Kleinigkeit essen möchte, der sollte in einem Bacaro bei einem Glas Wein oder Sprizz ein paar Cicchetti – eine Art italienische Tapas – essen. Die besten Cicchetti gibt es in Dorsoduro in der Cantine del Vino Gia Schiavi oder der Osteria Al Squero. Je mehr Cicchetti man käuft, um so billiger je Stück werden sie – auf die Preistafeln achten! Beide Weinlokale liegen an der Fondamenta Nani und am Rio de S. Trovaso.
Buon appetito – Essen sollte man in Venedig abseits der Hauptrouten in Restaurants, in denen die Venezianer selbst zum Essen gehen. Hier bestimmt oft das tägliche Angebot auf dem Gemüse- bzw. Fischmarkt die Speisekarte, falls es überhaupt eine Speisekarte gibt. Einfach überraschen lassen und geniessen wie bei der einfachen kleinen Trattoria Bertolini Marialuisa (ehemals Da Marisa). Hier kocht die Familiencrew täglich frisch immer nur ein bodenständiges venezianisches Menü und es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Dazu gibt es einen halben Liter Weisswein, eine Flasche Wasser und am Menüende einen Espresso. Das Fischmenü besteht z.B. aus den Antipasti: zerkleinerter Stockfisch mit Polenta, Carpaccio von mariniertem Seebarsch auf Rucola, gegrillte kleine Moschuskragen in Tomatensugo und gefüllte gratinierte Miesmuscheln. Der Primo Piatto: Fischlasagne aus drei verschiedenen Fischsorten. Der Secondo Piatto: frittierte Calamari, Gambas und Stockfisch. Das Dessert: Mandel-Likör-Mascarpone mit Amarettini. Das ganze Menü mit Getränken für 35,- € pro Person. Es empfiehlt sich frühzeitig einen Tisch zu reservieren.

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